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ſchaftlich gebildet haben, die auf einen einheitlichen Volksſtamm ſchließen läßt. Für letztere Annahme ſprechen beſonders die gleichen Hüttenformen(z. B. Pfahlbauten), dieſelben Grabriten, das gleiche Tongeſchirr.¹
Die erſten Nachrichten über die Bewohner Heſſens verdanken wir den griechiſchen und römiſchen Geſchichtsſchreibern und Geo⸗ graphen. Ihnen müſſen wir folgen in einer Zeit, wo die Schreib⸗ kunſt den Deutſchen noch nicht bekannt war(denn die Runen wurden nur zu kurzen ſchriftlichen Aufzeichnungen verwendet) und die Geſchichte des Volkes nur in mündlichen Überlieferungen auf die Nachkommen überging. Neben der literariſchen Überlieferung aber bieten uns Sprachforſchung und Altertumskunde wichtige Aufſchlüſſe. So wiſſen wir dank der unermüdlichen Kleinarbeit deutſcher Lokalforſchung heute, daß alle einigermaßen fruchtbaren Teile Deutſchlands während ſämtlicher Perioden der vorrömiſchen Zeit ziemlich dicht bewohnt waren und neben den Einzelſiedelungen allenthalben größere oder kleinere geſchloſſene Dorfanlagen und die mannigfachſten Ortsverbindungen aufwieſen.
In den Gegenden, die ſüdlich vom Maine liegen, wohnten früh Kelten. Tacitus erzählt, daß zwiſchen dem Rheine, Maine und dem Hercyniſchen Walde“ die Helvetier, ein gal— liſcher Stamm, gewohnt(noch Ptolemäus bezeichnet die agri decu- mates als Helvetierland), Cäſar,“ daß die Volcae Tectosages, die in ſpäterer Zeit an der oberen Garonne ſaßen(Tolosa), die fruchtbarſten Gegenden Germaniens um den Hercyniſchen Wald dauernd beſetzt hätten. Dies beweiſen auch zahlreiche Volcae- münzen in dieſem Gebiete. Daß die Gallier aber nicht als Ur⸗ bewohner unſeres Gebietes zu betrachten ſind, iſt durch antike Uberlieferung wie durch Bodenfunde in gleicher Weiſe geſichert. Bereits vor der Einwanderung der Gallier waren die Vorhöhen des Rhein⸗, Main⸗ und Neckartales und einzelne Odenwaldtäler wahrſcheinlich von liguriſchen“ und rätiſchen Stämmen, die in hiſtoriſcher Zeit ihre Sitze in den Alpen hatten, beſetzt. Sie ſind die Träger der Hallſtatt⸗Kultur.
1 Schumacher, Aufg. d. Forſch. und Grabung in Südweſtdeutſch⸗ land S. 19.
*Schumacher, Erſorſchung des römiſchen und vorrömiſchen Straßen⸗ netzes in Weſtdeutſchland S. 26.
8 Germania c. 28.
¹ Der Hercyniſche Wald iſt ein gemeinſamer Name für alle Ge⸗ birge Süddeutſchlands von den Donauquellen bis an die Grenzen Da⸗ ciens, d. i. vom Schwarzwald(porta Hercyniae das heutige Pforzheim) bis zu den Karpathen.
6 B. G. VI, 24.
² Livius XXVII c. 48, 10 nennt die Ligurer ein im Kriegsleben abgehärtetes Geſchlecht.
*Müllenhof, Deutſche Altertumskunde III. S. 171 f., IV. S. 101.


