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1711 wurde ſtatt der Redeübung eine Art von rhetoriſchem Schauſpiel aufgeführt. Zwei Vor⸗ kämpfer traten auf; der eine redete de lingua ejusque cultura per grammaticam necessaria, der andere de voce ejusque litteris, syllabis et accentu; ihnen folgten 7 Cohorten für die 7 Redetheile, jede beſtehend aus einem Hauptmann, Lieutenant, Fahnenträger, 5 Velites und 2 Epimachis, ſo daß die ganze Disputation in Form einer Schlachtordnung aufgeführt wurde. Auch unter dem Rectorat Mickelius wurden regel⸗ mäßige Redeacte abgehalten, an denen ſich aber das Publicum wenig betheiligt zu haben ſcheint.
Die von dem älteren Wenck angeſtellten halbjährigen Redeacte und vierteljährigen Redeübungen verdienen theils wegen der darin abgehandelten Stoffe, theils wegen der dabei betheiligten Schüler größere Beachtung. 1752. L. G. Seriba von Daruſſtadt redet in lateiniſcher Sprache von dem was lebendig genannt wird in der Erkäntis. E. L. Rentz und J. P. Zimmermann, beyde aus Darmſtadt. Jener erzehlet die Vortheile, welche die Religion; dieſer, welche der Staat aus dem 1552 geſchloſſenen Paſſauiſchen Vertrag ziehet(Lat.). Helfrich Peter Stürtz von Darmſtadt gibt eine Probe ſeiner deutſchen Dichtkunſt in Beſchreibung des Berges Veſuvius. F. W. Preuſchen aus Nidda erkläret die Lehre von den Vorurtheilen nach dem Sinn des Groß Britanniſchen Groß Cantzlers Baco von Verulamio(Lat.). J. F. Berchelmann von Darnſtadt, zeigt zum Schlus ſeines Schul Lebens ſein deutſch poetiſches Ver⸗ mögen durch Abhandlung des Satzes: Die Ehrerbietung gegen die Alten iſt die Ehre der Jugend. 1753 erſcheint das merkwürdige Thema: de viri nuper inter suos et in omni republica eruditorum celeberrimi ad castra Evangelicorum transitu duobus dialogis verba facient J. P. Zimmermann, E. F. Chr. Stürz, Z. E. Wilckens, J. G. W. Rays, Darmstadini. Den Schluß macht Helfr. Petr. Stürz Darmst., qui suprema verba et suo et duorum commilitonum nomine dicturus, Carmine teutonico de anima totam psychologiam complexus, quid sui ingenii vires valeant testatum dare statuit. 1753. Zu der anzuſtellen verordneten vierteljährigen öffentlichen Disputir⸗ und Rede Uebung ladet zum erſtenmal auf den 22. Januar ein J. M. Wenck. Die Muſie übende werden ſobald um 2 Uhr nach Mittage, unter Beyſtimmung der Inſtrumentiſten, dieſe Handlung eröfnen. Nach einer kurtzgefaßten teutſchen Rede von der Abſicht und Nutzen ſolcher anzuſtellenden Handlungen, werden aus der ſelecten Claſſe der obern, durch Einwürffe machen und deren Beantwortung, auch in ihrer Mutter Sprache einen Verſuch thun: Scriba, Renz, Zimmermann, Rauch, Menzer, Lattermann, Stürz, Wilckens, Henckel, Eulner, Rays, Preuſchen. Die wichtigſten Sätze der bisher erklärten Welt Lehre (Cosmologie) werden ihnen den Stof darzu geben. Aus dem Recht der Natur die Lehre von der Zurechnung, welche den ſtärkſten Einflus in die Rechtsgelehrſamkeit hat und deren Verſtand zum Grund liegen mus, wenn auch aus der Gottesgelehrſamkeit in Unterſuchung gezogen werden ſoll, wie die Sünde des erſten Menſchen deſſen nachkommendem Geſchlecht zugerechnet werden könne.
Vier aus eben dieſer Ordnung werden in der Beredſamkeit Uebungs Proben ablegen, und bey Gelegenheit dieſes Zeit und Jahr Wechſels von einigen groſen Eigenſchaften des Angel⸗ ſächſiſchen Königs Alfred handeln: Als Zamm in frantzöſiſcher Sprache von Alfreds kluger Eintheilung der Zeit, Kekule taeutſch, von deſſen Eintheilung der königlichen Einkünfte zum geift⸗ lichen Gebrauch; H. P. Stürtz, teutſch, von Alfreds Verwendung der andern Helfte auf den weltlichen und Kriegs Staat. Henckel erklärt lateiniſch die Vortheile, welche der Staat von den Künſten ziehet. Der Schlus wird dem Anfang ähnlich ſeyn, und das Lob des Höchſten nochmals beſungen werden, als deſſen Ehre dieſe gantze Handlung und das angehende Jahr gewidmet ſeyn ſoll.
Alle Hohe Beförderer und geneigte Freunde der freyen Künſte werden hierbey unterthänig und gehorſamſt erſucht, unſern Bemühungen durch dero Vornehme und geehrte Gegenwart den nöthigen Glantz zu geben, und unſre noch blöde Muſen aufzumuntern.
Am 19. Juli wird zu der zweiten vierteljährigen Disputir⸗ und Rede Uebung eingeladen. Bey dieſer Handlung werden nachſtehende Selectaner ihre Kräfte theils in Beſtreitung und Vertheidigung nütz⸗ licher Warheiten verſuchen; theils in aneinanderhangenden Reden, wie auch wechſelweiſen Geſprächen. Die
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