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Das Univerſitäts⸗Studium war übrigens nicht Jedermann geſtattet. In den„Erneuerten Statuten“ heißt es§. VI, 2: Bürgers⸗ und Bauern Söhne ſollen nach der unlängſt ergangenen Fürſtl. Verordnung ohne ausdrückliche Erlaubniß nicht ſtudiren, und dieſe ſoll ihnen nicht ertheilt werden, außer im Fall vor⸗ züglichen Eifers und Fähigkeiten. Dieſe Verordnung wurde erſt in den zwanziger Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts aufgehoben.
1784 wurde der erſte israelitiſche Schüler aufgenommen: Veidel Joseph, natione Judaeus et quidem primus ex ea gente ad Paedagogium admissus.
Das erſte Schülerverzeichniß rührt aus dem Jahre 1651 her: Es beſuchten die I 9, II 16, III 22, IV 34, Novitii 8, Exemti 2= 91;(aus Darmſtadt, Wolfskehlen, Oberramſtadt, Wetzlar, Widders⸗ heim i. W., Gießen, Rüſſelsheim, St. Goar, Grünberg, Nidda, Mosbach, Gerau, Fürſtenau, Lauterbach, Marburg, Zwingenberg, Bickenbach, Bingenheim, Rüſſelsheim, Goddelau, Alsfeld, Frankenberg, Butzbach, Holſtein,(emanentes 5). 1652 93, Ex. 3; 1654 113, Ex. 7; 1656 117, Ex. 18; 1668 58; 1700 89, Ex. 2; 1710 119, Ex. 7; 1720 111, Ex. 11; 1730 121, Px. 8; 1736 150(bis dahin die höchſte Zahl); 1740 140, Ex. 8; 1744 98(in Folge der Döderlein'ſchen Streitigkeiten); 1750 122, Ex. 8; 1760 130; 1770 121, Sel. 16; 1780 120, Sel. 12; 1789 196, Sel. 18; 1800 220, Sel. 4, Ex. 5; 1810 241, Sel. 13, Ex. 7; 1820 353, Ex. 26; 1822 361; in der meiſt combinirten Selecta und Prima 98; 1823 328; 1826 191, Ex. 22; 1831 295, nämlich in IV 39, in IIIb 46, in IIIa 59, in II 62, in I 55, in Selecta 34, darunter 205 Darmſtädter, 61 Starkenburger, 14 Oberheſſen, 11 Rheinheſſen, 4 Ausländer; und zwar 240 Söhne von Staatsdienern, Gelehrten, Geiſtlichen, Aerzten und Militärs, 55 Söhne von ſtädtiſchen Beamten, Bürgern und Gewerbtreibenden; 8 Evangeliſche, 250 Lutheraner, 15 Reformirte, 19 Katholiken, 2 Mennoniten, 1 Israelit. Vom Griechiſchen waren dispenſirt 39, von denen 15 dem Studium der tech⸗ niſchen und Cameralwiſſenſchaften, 24 dem Militärſtande oder einem bürgerlichen Berufe ſich zu widmen gedachten; 1833 275; 1841 256, in I 38; 1845 275, in I 35; 1850 251, in I 28; 1856 in I 18, in II 38, in III 38, in IV 41, in V 34, in VI 32, in VII 23= 224, darunter aus Darmſtadt 117, aus dem übrigen Starkenburg 37, aus Oberheſſen 35, aus Rheinheſſen 21, Ausländer 14; Evangeliſche 198, Katholiken 19, Israeliten 7; 1859 252; 1862 247, Abiturienten 27; 1864 263, Abiturienten 29; 1866 280, Abiturienten 24; 1867 289, Abiturienten 23; 1868 322, Abiturienten 23; 1869 376, Abi⸗ turienten 28; 1870 415, Abiturienten 28; 1871 436, Abiturienten 20; 1872 477, Abiturienten 29; 1873 494, Abiturienten 27; 1874 557, Abiturienten 29; 1875 594, Abiturienten 32; 1876 568, Abiturienten 35; 1877 555, Abiturienten 33; 1878(15. Aug.) 545, Abiturienten 24(resp. 28; 1879(15. März) 526.
Von 287 in den 13 Jahren 1854—1867 in V Aufgenommenen haben das Maturitäts⸗Examen gemacht 47(16%); von 146 in IV Aufgenommenen 46(31%); von 115 in III Aufgenommenen 37 (32%); von 157 in IIb Aufgenommenen 69(44%). Die ſtarke Aufnahme in IIb erkkärt ſich daraus, daß gut ſituirte Eltern ihre Kinder bis zur Confirmation in Privat⸗SInſtituten unterrichten ließen, während die unteren Claſſen des Gymnaſiums eine geringe Frequenz hatten. So zählte 1839 das Gymnaſium in Selecta 28, in I 40, in IIa 59, in IIb 40, in IIIa 29, in IIIb 27, in IV nur 13 Schüler. Dies hat ſich jetzt vollſtändig geändert, und die große Mehrzahl der Schüler tritt in die Sexta oder Quinta ein.
Von der äußerlichen LebensArt in Koſt und Kleidung und anderer Wohlan⸗ ſtändigkeit der Schüler, ſchreibt der ältere Wenck(1752): I. Die Verköſtigung betreffend, ſo darff der Ruff, daß die Theurung in einigen Stücken(pretia rerum) bey unſerer Stadt ziemlich hoch ge⸗ ſtiegen, niemand abſchrecken. Ein hieſiger Gymnaſiaſt kan, wo er kein wöchentliches Koſtgeld von 2 Gulden, oder 5 Kopfſtück, oder 1 Rthlr. zu bezahlen im Stand iſt, vor 4 Kopfſtück, ingleichen vor 1 fl., auch vor 16 Batzen ſeine hinlängliche Verköſtigung finden. Es haben ſich auch ſolche gemeldet, welche ſich die Mahlzeit mit 5 oder 6 Kreuzer bezahlen laſſen. Noch andere nehmen 11—12 Gulden vor Quartier und Holtz, und vor die Zubereitung der Eßwaaren, welche ſich der Koſtgänger, nach beliebiger Anordnung der Eltern, entweder kauffen läſſet, oder die ihm von Hauſe zugebracht werden. Bey obgemeldten Koſt⸗Accorden iſt gleichfalls das Quartier frey, es mögen die Koſtgeber Präceptores Gymnaſii, oder ſonſt honette wackere


