Aufsatz 
Geschichte des Großherzoglichen Gymnasiums zu Darmstadt : Festschrift zur Feier des 250jährigen Jubiläums dieser Schule am 23. und 24. April 1879 / Von Wilhelm Uhrig
Entstehung
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130 fl., 15 M. Korn, 4 M. Gerſte, 1 Ohm Wein, 4 maſtfreie Schweine, Wohnung und Holz. 3) dem secundae classis praeceptori: an Geld 150 fl., 18 M. Korn, 5 M. Gerſte, 1 ½ Ohm Wein, 5 maſtfreie Schweine, Wohnung und Beholzung wie oben. 4) dem primae classis praeceptori oder conrectori: an Geld 170 fl., 20 M. Korn, 5 M. Gerſte, 5 maſtfreie Schweine, 2 Ohm Wein, Wohnung und Holz wie oben. 5) dem Rectori, ſo wegen der Direction und Inſpection ein wohlqualificirter, anſehnlicher Mann ſein müßte und der bei ſolchen Qualitäten amplitudine salarii hierher zu invitiren iſt: an Geld 230 fl., 24 M. Korn, 6 M. Gerſte, 6 maſtfreie Schweine, 3 Ohm Wein, Wohnung und Holz uti aliis. Die andern accidentalia alß Leich⸗ oder Begräbnußgeldt, Neujahr, privat, auch Hochzeitſuppen ꝛc. möchte der⸗ jenige, ſo das Hochzeitgeſäng thut, ſelbige Suppen auch genießen. Das Begräbnußgeldt, ſo durch die geringſte Schüler(dann daß gantz paedagogium anders nicht als bey anſehnlichen fürnehmen Leichen, wie zu Marburg zu geſchehen pfleget, mit zum Begräbnuß gehet) gemeinlich verdient würde, ſollte künftiglich in ein gemeine Büchſen zuſammen gethan, der Schlüſſel von dem Superintendenten verwahret, die Büchſe jährlich aufgeſchloſſen, von dem ſo ſich darin befindet, zwey Theil dem Rectori, die übrige Viertheil aber den andern praeceptoribus werden, und ſollten die andern deſſen, der zum Begräbnuß ſingt, Stell in der Schul unterdeſſen zu vertreten ſchuldig ſein.

Das jährliche Erforderniß der Anſtalt wird angeſchlagen zu 847 fl. Geld, 87 M. Korn, 23 M. Gerſte, 8 ½ Ohm Wein, maſtfreie Schweine 24, davon abgezogen, was die praeceptores der Stadtſchule haben, nämlich außer den Naturalien 220 fl., bleiben 627 fl., die theils von den geiſtlichen Kaſten, und den Stipendiatenkaſten, theils durch die Zinſen eines von Marburg zurückfallenden Kapitals ꝛc. beſchafft werden ſollten,(Rector Klinckerfus berechnet die Ausgaben höher, und zwar an Geld um 188 fl. an Korn um 23 M., an Gerſte um 14 M.), für den Reſt ſolle der Landkaſten aufkommen. Ein weiteres Bedürfniß betraf die Musicanten, 10 arme Schüler und einen praeceptor, welche um Gottes Willen alimentirt und bei Hofe gekleidet und geſpeiſt wurden und die zuſammen jährlich 707 fl. koſteten. Am 31. December 1626 weiſt der Landgraf, damit man den Schuldienern ihre salaria zu beſtimmten Quar⸗ talen und Zielen deſto ordentlicher und beſſer geben könne, auf die fürſtliche Rentkammer jährlich 400 fl. Geld an, auf die fürſtliche Kellnerey zu Darmſtadt 30 Malter Korn und 30 Malter Gerſte, auf das Forſtamt 40 Klafter Brennholz und 4 Karren Wachholderſtreue, auch jährlich zu vollkommner und ganzer Maſtzeit 16, zur halben Maſtzeit aber 8 Schweine den praeceptoribus neben den andern Schweinen, ſo ſie bisher maſtfrei gehabt. Den Wein aber haben S. F. Gn. abgeſchlagen.

Die Gehalte waren für die damalige Zeit auskömmlich, beſonders wenn man die Nebeneinkünfte dazurechnet, die ganz beträchtlich geweſen zu ſein ſcheinen. 1658 wurde beſtimmt, daß von den neu ankommenden discipulis pro examinatione et inscriptione von den vermögenden 1 Reichsthaler erhoben, von den nicht reichen eine moderation gebrauchet, hingegen die armen frey paſſiret werden ſollen. Schul⸗ geld wurde urſprünglich nicht erhoben, doch kommen neben den horae publicae, die jedenfalls frei waren, horae privato-publicae, die ohne Zweifel von allen Schülern beſucht wurden und für die ein didactrum entrichtet wurde, endlich aber horae privatissimae vor, die unſern heutigen Privatſtunden entſprechen. Endlich waren Geſchenke an Neujahr und an den Namenstagen üblich. Das Didactrum wurde von den Claſſenlehrern ſelbſt erhoben, und es gab dies öfters Anlaß zu Streitigkeiten. So beklagt ſich 1725 Rector Mickelius, daß er durch die 1719 vorgegangene Aenderung ſehr großen Verluſt gehabt, daß ihm nämlich das völlige Didactrum ex classe secunda und andere Accidentien, ſo ſich über 50 Thaler jährlich belaufen, die Hälfte des Kellers und des oberſten Stockwerks entzogen worden, er alſo nicht im Stande ſei einen Schüler bequem zu logiren, da doch zur Aufnahme eines Paedagogii gereiche, wenn der Fremden Kinder bey den Praeceptoribus ein fügliches Quartier haben könnten. Das didactrum der beiden unterſten Claſſen hatten Conrector und Cantor, ehe die Separirung der Claſſen geſchehen, zu gleichen Theilen getheilt, ſpäter Conrector das didactrum ex classe tertia ſich allein vindicirt, worüber Cantor wegen der kleinen Zahl der Schüler der Quarta geſchädigt wurde. Die Lehrer waren aber vielfach auf das didactrum

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