Aufsatz 
Geschichte des Großherzoglichen Gymnasiums zu Darmstadt : Festschrift zur Feier des 250jährigen Jubiläums dieser Schule am 23. und 24. April 1879 / Von Wilhelm Uhrig
Entstehung
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vorgetragen, ſollen zur Lectüre der griechiſchen Profan⸗Autoren und zur lateiniſchen curſoriſchen Leſeübung verwendet werden. Von 1803 1806 war Friedrich Ludwig Lehrer der Mathematik und Phyſik(ſpäter Rechnungskammer⸗Director). Sein Nachfolger war 1806 1823 Ludwig Schleiermacher(nachmals Oberbau⸗Director).

Als erſter Lehrer der franzöſiſchen und italieniſchen Sprache erſcheint 1703 Pranciscus Majus Romanus, der durch beſonderes(peculiari) Decret des Landgrafen als Lehrer der franzöſiſchen, italieniſchen und ſpaniſchen Sprache eingeführt wird, um etliche Stunden in der Woche die franzöſiſche und italieniſche Sprach zu dociren, nach kurzer Zeit aber ſich heimlich entfernte. 1719 wird der Sprachmeiſter Zipper als Lehrer der franzöſiſchen Sprache angeſtellt mit einer Beſoldung, wie ſie der ehemalige Sprachmeiſter Antoine Caliard genoſſen, nämlich 50 Rthlr. aus den extraordinairen Straff Geldern, ſodann aus hieſiger Rentherey 6 Malter Korn und 5 Malter Gerſte. 1724 bittet Alexandre Piffard, refugié, natif de St. Bonet dans le haut Dauphiné, étant obligé de chercher un Azile pour cause de Religion um Er⸗ laubniß, ſich in Darmſtadt als Sprachmeiſter der franzöſiſchen Sprache niederzulaſſen, welches ihm auch da er lange Zeit auf der Univerſität Baſel als maitre de langue geſtanden, ſowie in Anbetrachtdes Sprachmeiſters Zippers bekannter Nachläſſigkeit und daß deßwegen die privat informationes in der fran⸗ zöſiſchen Sprache nicht wohl zu haben geweſen, bewilligt wird, jedoch ohne Beſoldung oder remotion des Zipperi. 1725 kommt ein ehemaliger Carmelitermönch Charles de Bugenal aus Luxemburg, der lutheriſch werden will, und erhält gegen die Anſicht des Conſiſtoriums und Geheimen Rathes(weil man nicht wiſſe, wie Supplicant, der nicht einmal Deutſch verſtehe, zu erhalten ſei,zudeme auch die Erfahrung noch kürtzlich bey dem Converso Trousson gezeiget, daß bey dergleichen Subjectis die beneficia zuweilen übel angelegt worden) die Erlaubniß, die franzöſiſche Sprache als ein ordentlich beſtellter Sprachmeiſter dociren zu dürfen; auch eine Beſoldung von 106 fl. aus den Dispenſations⸗Geldern. Die Abſicht, ihn an die Stelle des Zipper,der zimblich unfleißig und an deſſen Pronuntiation noch verſchiedenes zu deſideriren ſei, als Sprachmeiſter am Paedagogium anzuſtellen, kam nicht zur Ausführung.

Der erſte Fachlehrer für Schreiben und Rechnen war J. A. Menzzer, Fürſtl. Geh.⸗Kanzliſt, der ſich aber mehr um die Protection ſeiner Verwandten, als um ſeinen Dienſt am Paedagog bekümmert zu haben ſcheint. 1751 empfiehlt derſelbe in einer Bittſchrift dem Landgrafen als Cantor in Gießen ſeinen Schweſterſohn Benj. Hoffmann, dermaligen Schulmeiſter zu Laßdorf bei Jena,welcher nicht nur fein ſtudirt, und nebſt einer ſauberen Handſchrift einen ſchönen und moderaten Bass, Tenor und Discant ſinget, ſondern auch als ein hiebevoriger Schüler des berühmten Bachs zu Leipzig in der Inſtrumental⸗ Muſik und ſonderlich was das Clavier betrifft, ſtarck ſein ſoll, eventuell für die Cantorsſtelle in Darmſtadt, für den er ein Expectanz Decretum ausgebethen haben will. Dem nämlichen Menzzer gibt das Con⸗ ſiſtorium das Zeugniß, daß er pro lubitu, und zwar ſehr ſelten komme, unter dem Vorwand, daß er wegen ſeiner Arbeit auf der Hochfürſtl. Geh. Canzlei nicht Zeit dazu habe. Um es in beſſere Ordnung zu bringen, hielte man es für's beſte, daß entweder ein andrer an ſeiner ſtelle angenommen werde, oder, wenn er dabei bleiben ſollte, ihm allzeit ein Zettul, ſo offt er komme, müßte gereichet, oder von ihm dem Rectori gegeben werden, um nach proportion ſeiner Verſäumung oder Ausbleibens ihm von ſeinem salario, ſo er davor genießet, etwas abzuziehen. Einſtweilen ſeye ihm nochmahls ſcharff einzubinden, die Schreib⸗Stunde ordentlich und fleißiger als bißhero geſchehen, zu halten, oder ſich der Entlaſſung zu gewärtigen, umſo mehr, als an einer ſolchen Schreib⸗ und Rechen Stund Vieles gelegen ſei, weilen Viele, ſo das Paedagogium frequentiren, in Ermangelung der Mittel nicht ſtudiren können und ſich mit Rechnen und Schreiben zu ernähren ſuchen müſſen.

Später war der Schreibunterricht für lange Jahre in den Händen des Karzleiſecretairs Johann Zimmer, dann dem Karzleiſecretair(jetzt Kanzleirath i. P.) Friedrich Müller anvertraut.

1787 wird Otto Schloſſer zum Tanzmeiſter des Pädagogiums beſtellt,dergeſtalt daß der⸗ ſelbe wöchentlich 2 Tage, und zwar jeden Tag 2 Stunden in ſeinem eignen Hauß denen Schülern des hieſigen Paedagogii, welche dazu Luſten haben, im Tanzen unterrichte und ſich mit einer Quartalzahlung