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die meiſten hatten ein Schulamt nur ſo lange angenommen, bis ſie eine Pfarrſtelle erlangen konnten.*) Ihre Rangverhältniſſe unter der Geiſtlicheit gaben zu häufigen Streitigkeiten Anlaß,**) ſo daß darüber mehrfache Verordnungen erlaſſen wurden. So wurde 1736 in Betreff des Ranges der Lehrer beſtimmt, „daß ein Rector und Prorector des Paedagogii mit denen künfftig anhero zu ordinirenden 2. und 3. Stadt⸗ pfarrern, wann dieſe keine Definitores ſind, im Rang und Vorgang rouliren ſollen, und 1778 in den „Erneuerten Statuten“ heißt es: Damit vorzügliche Subjecte ſich den Lehr Aemtern des Paedagogs zu widmen ſo viel eher gereizt, auf der andern Seite aber auch dem unzeitigen Weg Eilen von den Schul⸗ Aemtern in das Predigt Amt als eine vermeinte Art von Standes Erhöhung, ſo viel leichter begegnet werde, ſo ſollen der Conrector und Subconrector am hieſigen Pädagog, mit den Land Predigern, die Inſpectores ausgenommen, durchaus nach den Jahren des Dienſtes roulliren, die Obern Lehrer aber, ſo wie an Aemtern, alſo auch an äußerer Ehre und Würde mit den übrigen geiſtlichen Bedienungen Verhältnißmäßig fortgehen. Auch wird hierdurch auf alle Zeiten Schul Männern, wenn ſie mehrere Jahre ihrem Amt mit redlichſtem Eifer fürgeſtanden, und ſich dieſer Lebens Art ferner zu widmen nicht Luſt haben, vorzüglich gute Beförde⸗ rung zugeſichert, und ihnen dazu Kraft ihres Amtes ein eignes Vorrecht ertheilt. Es ſoll übrigens keines⸗ wegs für ein Geſetz gelten, daß gerade nur Theologen zu Lehr Aemtern des Pädagogs aufgelegt ſeien und werden auf die Zukunft auch weltlich Studierte von vorzüglichen Talenten nachdrücklich aufgemuntert, ſich auch von dieſer Seite dem Vaterland nützlich zu machen.
Der Unterricht der Theologen war begreiflicher Weiſe einſeitig; beſonders ſcheint der mathematiſche Unterricht aus Mangel an geeigneten Lehrern bisweilen ganz ausgefallen zu ſein, denn 1753 wird ver⸗ ordnet, daß mit Docirung der mathematiſchen Wiſſenſchaften hinwiederum der Anfang gemacht und der Prorector Frey hierfür eine beſondere Belohnung von 30 fl. jährlich erhalten ſolle. 1799 wird der Kammerrath Schmitt zum Lehrer der Mathematik und Phyſik in der oberſten Claſſe des Paedagogiums mit 6 wöchentlichen Lehrſtunden ernannt; die 2 Stunden, in welchen Rector Wenck bisher die Mathematik
Catechismus Doctoris Lutheri, wie ſolche ſtückhe insgeſambt, bey Regierung weyland Herrn Landgrafen Georgen des eltern und Herrn Landgraf Ludwigs des tüngeren Chriſtſeeligen, in Ihrer Gottſeeligen Fürſtl. Gn. Ober Grafſchaft in Kirchen und Schulen, lauth der Fürſtlichen Heſſiſchen allgemeinen Kirchen agenden behalten worden, ſeyen in Gottes Wort Pro⸗ phetiſchen und Apoſtoliſchen ſchriften gegründet, in welcher Confession ich durch die gnaden Gottes, mit unerſchrockhenem hertzen, für dem Richterſtuel Jeſu Chriſti erſcheinen und deßhalben Rechenſchaft geben, darwider auch nichts heimlich ‚oder offentlich lehren, reden oder ſchreiben, Vielmehr die mir undergebene zu ſolcher Chriſtlichen religion, treülich und von gantzem hertzen, wie einem Gottesfürchtigen Conrectori eignet und wohl anſtehet, alles angelegenen höchſten fleißes, underrichten und anweiſen, Mein Ambt hierinn wie auch ſonſt in aller obliegenden ſchuldigkeit verrichten und bey dem obgehörten glaubensbekandtnus vermittelſt der gnade Gottes beſtändig bleiben will. Ob es auch ſach were, das der ewige Gott mich aus gerechtem Urtheil, alſo fallen ließe, daß ich künftig einer andern maynung würde, worfür Seine Allmacht demütigſt gebetten ſein, und mich bei meiner richtigen bekandtnus, biß in mein ſeelig end hirein zu ſtärckhen und zu ſchützen geruhen wölle, item wan ich merckhen oder ſpühren würde, daß under meines genedigen Fürſten und Herrn Landgrafen Georgens zue Heſſen ſchulbedinten jemands deren reiner ungeänderten Augspurgiſchen Confession nicht were, oder darwider lehren ſchreiben oder reden thete, ſo ſoll und will Seine Fürſtl. Gn. und in mangel deroſelben dero Fürſtlichen Erben, Regierenden Fürſten zu Heſſen Darmſtädtiſcher Linj, oder ie zum wenigſten dero nachgeſezten geheimen Rhäten, ich es ſchriftlich ſo bald ankündigen und zu erkennen geben, und mich daran gunſt, ungunſt, freundſchaft, feindſchaft, gabe, geſchenk oder einigen andern respect nicht irren laſſen, alles zu dem ende, das Gottes ehr befordert, puritas religionis gehandhabt, verführung und irrthumb in religionsſachen abgewendet, zumahl auch der Teſtamentlichen Verordnung, die weyland Herr Landgraf Ludwig zu Heſſen ꝛc. der jüngere, hochſeeliger, hinderlaſſen hatt, in dem Punkte: die lehr, Kirchen und Schulen beſagend, deſto weniger contravenirt, ſondern dero inhältlichem begriffe ſtattlich und allenthalben verantwortlich gelebet werde. Zu Urkund meiner Handunderſchrift und aufgetruckhten gewöhnlichen Pitſchafts. Geſchehen und gegeben uf Sontag
Quasimodogeniti den 12. Aprilis Anno 1629. M. Henricus Wormbßer.
*) 1680 wird M. H. G. Traut als dritter Praeceptor angeſtellt, unter der Bedingung, daß er, weil die Enderungen ſchädlich, wo nicht Zeit ſeines Lebens, doch zum wenigſtens 10 Jahr lang in ſolcher Station beſtändig verharren ſolle.
**) Beim Abſterben fürſtlicher Perſonen wird Rectori und docentibus Collegis ein Flor geſchickt und 10 fl., wie es
auch 1739 geſchehen; es hat damals die geſammte Geiſtlichkeit ein Trauerkleid und Mantel bekommen auf geſchehenes ſolli⸗
citiren; allein den docentibus iſt dergleichen Glück nicht wiederfahren, ob ſie gleich privatim Erinnerung gethan.


