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promeritae disciplinae impatientissimum, einen Printzen geheißen, und den Vigelium einen Meliboeum bey occasion, da der Virgilius tractirt worden und der Knab ſich nicht wohl conduiſirt“.
Haas pflege auch die Knaben bei den Haaren zu greifen und habe auch den Arnoldi„geropfft, weil er ihn nicht anderſt bekommen können“. Das Holztragen ſei hergebrachte Gewohnheit und ſoll nach Anordnung des Conſiſtoriums auch fernerhin in den Freiſtunden geſtattet ſein, da man es den Pedellen allein nicht zumuthen könne. Den praeceptoribus ſolle geſtattet ſein neben 2 unentgeltlichen horis publicis die dritte als privato-publica zu halten und ſich beſonders honoriren zu laſſen. 1714 verordnet das Con⸗ ſiſtorium, der Rector Arnoldi ſolle fleißig auf die Spieler unter den Paedagogisten inquiriren und wann ſich einer oder der andre darinnen betreten laſſe, denſelben nachdrücklich abſtrafen. 1745 wird große Klage über den Wirthshausbeſuch ſowohl der Primaner, als auch der Knaben von 11 bis 12 Jahren geführt.
Die Anſichten des älteren Wenck über Schulzucht ſind noch heute ſehr beachtenswerth: Man kann alsdann erſt aus einer vorkommenden Vergehung eines Schülers auf den Mangel an Zucht ſchlieſen, wann man beweiſet, daß ſolche 1) dem Lehrer bekannt, und doch 2) nicht gehörig geahndet werden. Diejenige handeln klüger, welche dem Lehrer Nachricht von einem jugendlichen Verbrechen geben, als diejenige, welche ihre Meinung in einem unbändigen Raiſonnement an den unſchicklichſten Orten aus⸗ laſſen. Sie ſagen, ſie wären zum Anbringen nicht beſtellt. Gerade, als ob ſie mehr gedingt wären, ohne eine richtige Abſicht, bloß aus Trieb ihres Gelüſtes, öffentliche Anſtalten zu beſchmitzen, als zur allgemeinen und beſonderen Beſſerung ein Wort zu ſeiner Zeit zu reden. Vielleicht machen ſolche Ankläger des Schul⸗ Ordens auch manchmal die Zucht Befehle der Lehrer durch Geringſchätzung und Verkleinerung derſelben Perſonen und Aemter bei ihren Kindern unkräftig. Hat man nothwendig zu einer thätlichen Beſtraffung zu ſchreiten, ſo muß der Schüler durch dienſame Vorſtellungen vorher überführt werden, daß er die Straffe verdient; es ſeye dieſes eine nothwendige Folge ſeines Verhaltens, und ſo empfindlich ihm die Straffe ſeye, eben ſo ſehr müſſe er nun das Verbrechen, aus welchem dieſe entſpringe, verabſcheuen. Er muß dabei aus dem gantzen Bezeigen des Lehrers abnehmen können, daß derſelbe nur ungern an dieſe Züchtigung gehe; geſchweige denn, daß Er ſeine brennende Rache an ihnen abkühlen wolle. Solches wird bey einem nicht gantz fühl⸗ und ſchaamloſen Gemüth uns nicht ohne Hofnung einer heilſamen Reue und Beſſerung laſſen. Niemand urtheile von der Schul Beſtraffung aus der Erzählung des Beſtrafften oder anderer ſeinesgleichen. Man fraget daher weit ſicherer den Zuchtmeiſter ſelbſt, ohne daß man inzwiſchen dem Beſtraften Recht gibt, oder gar die Lehrer durch unziemliches Losziehen bey ihm verächtlich macht. Ueberhaupt iſt es ein ſicheres Förderungsmittel bey der Schulzucht, wenn Eltern zu Zeiten mit den Lehrern wegen ihrer Kinder Wohlfart entweder mündlich oder ſchriftlich gleichſam in gemeinſchaftliche Berathſchlagung treten. Die Lehrer haben die Schüler nur wenige Stunden um ſich: und da hält der gegenwärtige geſchärfte Blick des Lehrers und die Furcht der Zucht manches zurück. Im Hauſe verräth der Sohn ſein Naturell und Neigungen ſo viel deutlicher, je freyer und ungezwungener er bei denen zu verfahren gewohnt iſt, um die er ſich von Kindheit auf befunden hat.
Ueber das Morgengebet macht der ältere Wenck in dem Programm:„Die Geſtalt einer Schule 1752“ folgende Angaben. Es ſollen ſich um ¼7 die Schüler nebſt ihrem Präceptore, je zwey Claſſen in einer Stube, verſammlet finden, daſelbſt ein Bibliſches Capitel, oder ein Stück desſelben, in der Ordnung leſen, und kürtzlich erklären anhören: Welches dann bey denen in prima Classe verbundenen Primanern und Secundanern in der Grund Sprache, und mit wenigern Verſen geſchiehet, und ſoviel die Zeit zuläßt, philologiſch und theologiſch erläutert wird, um auch den größeren die Auslegungs Kunſt in ihrer Anwendung zu zeigen, inſonderheit aber die Erbauung darbey zu befördern.(Dieſes iſt auch der Zweck der mit ſolcher bibliſcher Lection verbundenen Wiederholung der vorigen Tags angehörten Predigten, zu welchen die Claſſen jedesmahl vorbereitet und unter Aufſicht zweyer ordentlicher Lehrer deducirt werden.) Wann dieſes geſchehen, ſoll die vereinigte Claſſe III. und IV. ſammt ihrem Lehrer mit den verbundenen Primanern und Secundanern in Classe I. zuſammentreten, und darinn in einer Verſammlung dem Geſang


