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Man gibt zugleich Anweiſung zu der heut zu Tage ſobeliebtenteutſchen Dicht⸗ kunſt. In der Materie, ſo von dem Lehrer gegeben wird, verſteckt man zuweilen den Reim, daß ſie nachdenken und in Redensarten variiren lernen. Man läßt ein Beywort(Epitheton) oder ein gleichgeltendes (Synonymum) ꝛc. aus, und dictirt es, nach verſuchter Ausarbeitung der Schüler, verbeſſert. Julius Caesar und Ciceronis Epistolae ad diversos werden gleichfalls zum erſten in dieſer Claſſe geleſen. Und da man nebſt Baumeiſter's Logik auch zugleich die beliebte zu Breslau herausgekommene Elementa Oratoria, und beſonders die tropos und ſiguras zum erſten hier tractirt, ſo kann hier zugleich die Hauptproposition, wie auch die tropi et figurae herausgeſucht werden. Im Griechiſchen werden nebſt den obgemeldten Grammaticalia die verba in u, und die übrigen anomala dazugethan. Die Schüler lernen das Vocabularium Delii und erwerben ſich daraus außer der Lectione Novi Testamenti eine copiam vocabulorum graecorum. Sie ſchreiben kleine griechiſche Exercitia zu gleichem Zweck um zugleich das Schreiben und die Zuſammenſetzung in dieſer Sprache zu üben. Im Lateiniſchen und Teutſchen läſſet man einen vorgegebenen Satz zu einer Periode nach Vorſchrift der in Händen habenden Redekunſt erweitern. Das Hebräiſche wird hier von den Theologen angefangen, wie auch die Hiſtorie und Geographie, jene nach Freyer's, dieſe nach Hübner's Anleitung. Classis Prima. In Sacris wird nebſt der leichten Speiſe auch etwas ſtärkere vorgeſetzt, ohne jedoch die Jugend mit ſchweren und unnützen Streit⸗ fragen zu verwirren. Sonderheitlich müſſen ihr kurze und bündige definitiones recht bekannt gemacht und gezeigt werden, wie der ganze Glaubensartikel in allen ſeinen Sätzen daraus hergeleitet werden könne, und daß ſie darin die reichſte Materie zum Reden finde. Die Bernholdt'ſche Sammlung wird nicht ordentlich mehr tractirt, ſondern bei Handlung der Hiſtorie mit Freyer's größerer Einleitung nur conferirt. Giceronis epistolae und Curtius gehen hier fort. Es kommen dazu die orationes Ciceronis und in poeticis Virgilius. Die kxercitia ſtellen hier öfters imitationes auctorum viriles vor. Wer ein Jahr oder die unterſte Ordnung in Prima ausgehalten, der fängt an Chrien zu machen, vorher aber nur periodos und Briefe und überſetzt die dictirten dispositiones zu den Chrien und orationen in das Lateiniſche loco exercitii. Auch gehet die Geographie, darunter nebſt der politiſchen auch die mathematiſche zu verſtehen, hier fort. In der 2. Ordnung der Prima können auch ſchon extemporalia mit der erſten oder oberen Ordnung geſchrieben werden, denn die unterſten würden nur dadurch in stilo verdorben und zurückgeſetzt werden. Daß die untere oder dritte Ordnung ein Jahr durch in den Exercitien noch certire, iſt von hohen Orten befohlen, und wird ſehr heilſam befunden. Die praktiſchen Ausarbeitungen in lateiniſcher und teutſcher Sprache müſſen hier nach einer gegebenen Anleitung und Materie eigen ſein, und auch Reden in gebundener Schreibart verfertigt werden. Im Griechiſchen werden jetzt größere pensa geleſen, auch wichtigere Anmerkungen, ſo die Eigenſchaft der Sprache und den Sinn des Textes betreffen, gemacht. Im Hebräiſchen wird nebſt einer genaueren Analyse auch der interpres aufge⸗ ſchlagen, und ein ganzes Buch durchgeleſen, auch auf die beweiſenden Sprüche geſehen. In der Philo⸗ ſophie wird mit der geſammten Claſſe die Baumeiſter'ſche Logik und in der philosophia practica aus deſſelben Element. Philosoph. beſonders die Sittenlehre tractirt und nach vorgängiger demonstration der Satz mit verſtändlichen Beiſpielen erläutert und zum Gebrauch im Leben angewieſen. Dieſe philoſophiſchen Abhandlungen ſind jedesmal kurz, weil der mehrſten Alter hierzu noch nicht ſo völlig reif iſt zu dieſen Studien, als zur Erlernung der Sprachwiſſenſchaft, welcher man daher die Zeit nicht entziehen muß. In dieſer Claſſe I. kann die unterſte Ordnung ein Jahr durch in exereitio noch certiren.
In Classis primae ordinem primum werden selecte Schüler aus den oberen aufgenommen. Dieſe ſind nach dem Beiſpiel der beſten Schulen in gewiſſen Stunden mit den andern verbunden, in andern abgeſondert. Dieſe oberen disputiren in der Theologie und Philosophie. Sie leſen ihre dicta probantia in fontibus, ſie ſtellen öftere Redeübungen an, und zwar ordentlich alle 4 Wochen.
Im Griechiſchen kann man außer der beſtändigen Leſung des Neuen Teſtamentes einen profan auctorem mit ihnen leſen, von welchen auch in der zweiten Ordnung ſchon der Anfang gemacht werden kann. Darzu iſt zu Anfang Plutarch, von Erziehung der Kinder und Palaephatus vom Unglaub⸗


