Aufsatz 
Geschichte des Großherzoglichen Gymnasiums zu Darmstadt : Festschrift zur Feier des 250jährigen Jubiläums dieser Schule am 23. und 24. April 1879 / Von Wilhelm Uhrig
Entstehung
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halten werde, maſen anietzo ein ſolch jüngerer Studiosus von Francofurt uns accommentirt worden, Johan Georg Hildebrant genandt, ſo auch wofern gedachter maaſen ihm gehulffen würde, ſolchen dienſt anzunehmen willens were, auch(E. F. G. nit vorgeſchrieben) auß den Spitahl und andern kaſtengefällen die gedachten 25 fl. ohne beſchwerung ſelbiger kaſten an die ſpecificirte 50, 60, oder 70 fl. zu erheben. Es iſt hiebevor nit geduldet, daß die kinder in den privatſchulen informirt worden, da ſie in keine ſing-, bett⸗ oder auch predigſtundt wie auch deductiones der leichen, wie in der ſtattſchul ſolche thun müſſen, gehen, und weilen die burger von ihren kindern einem des Jahrs 8 Kopfſt. den privat praeceptoribus geben, ſo könnten ſie deſto leichter einen halben thaler oder fl. in die gemeine ſtattſchul, do ſie eben das auch noch mehr lernen, auff eine zeit geben.

Der obengenannte teutſche Schulmeiſter Fabritius war nur kurze Zeit in Dienſten geweſen und gegen den Antrag des Superintendenten Greber angeſtellt worden, der vor ihm alskundbarlich einem Vaganten und ſolchem verloffenen geſell, der nirgends pleiben könne, gewarnt hatte. Derſelbe ſei an vielen orthen ein ſchuelmeiſter, Stattſchreiber, Notarius, Muſterſchreiber geweſen, hange dem bißhero viel⸗ fältig in Kupfer geſtochenen Künſteln und mahlen dergeſtalt nach, daß er die Jugend darüber verſaume. (Er verfertiget brieffe und leſt ſie in kupfer ſtechendiſtribuiret ſolche in etlichen hunderten Exemplaren. Solche ſchrifften ſind dermaßen gemacht, das es pasquillen und famose seripta mögen genand werden, von welchen zu Frankfurt, wie Vornehme leut referiret, gar übel geredet wird.) Ferner ſeye es mit der Stattſchul alſo bewand, daß die meiſten knaben darinnen Lateiniſch leßen und ſchreiben, decliniren und conjugiren, ja ſoviel erlernen müſſen, daß ſie zum Paedagogio düchtig, könne aber er Fabritius nicht ein Wort Lateiniſch, kaum ſo viel daß er eine Zeihl in Lateiniſcher Sprach correct abſchreiben könne ꝛc., ſei auch kein Musicus, und könne ſich unmöglich mit dem gar geringen salario betragen, ihm auch daſſelbige bei den ietzigen ſehr bößen und faſt je länger je ärger werdenden Zeiten nicht gereichet werden.

1704 klagt Conrector Paulini, daß die Schüler, ſobald ſie nur aus der Stadtſchule in das Paedagogium hineingucken, und die Grammatik noch nicht einmal von außen recht betrachtet haben, gleich ad Cornelium, excerpta Ovidii et Horatii geführet werden, da doch alle dieſe anführung ihnen ſo wenig nutzen ſchaffet als wenn ich einem blinden einen ſpiegel und einem kahlköpfigen einen helfenbeinernen Kamm in die Hand geben wollte.

1706 will der Rath das Gärtchen bei der alten Statt⸗Schul, worinnen der ältere Praeceptor allezeit gewohnt und das Gärtchen genoſſen, dem Praeceptor Lindenlaub*) nehmen und dem Glöckner geben; L. offerirt den gleichen Zins.

1710 weigert ſich Bürgermeiſter und Stadtrathein genugſam salarium für einen bey der täglich anwachſenden Jugend unumbgänglich zu beſtellen ſeyenden dritten Praeceptorem an der Statt⸗Schul zu ſchöpfen, da es notoriſch ſei, daß die Praeceptores nicht aus der Bürgermeiſterei zu beſolden ſeien; die Vorfahren des Fürſten hätteneine freye Schuhl gnädigſt ge⸗ ſtiftet, derſelben auch die darzu gewittmeten intraden der Jugend zum Beſten ohn⸗ abbrüchig reichen laſſen.

NB. 2 Klafter Holz hatte ein Praeceptor aus dem Stadtwald.

Darauf hin wurden dem Rath Zwangsmaßregeln angedroht.

1710 erſcheint als Obſervanz, daß dem Statt⸗Schul⸗Praeceptoribus von einem Knaben, der auß der Schul in das Fürſtl. Paedagogium verſetzt würde, ½ Rthlr. von Alters her gereichet worden.

1711 wurde geklagt, daß in der Stadtſchule die lateiniſchen Schüler in der fundamentis deecli- nationum et conjugationum nicht genugſam unterrichtet würden.

1713 geben rector et praeceptores ill. Paedag. Darmst. eine Erklärung ab auf das unbefügte Klagen derer praeceptorum scholae oppidanae, aus deren Schrift eine unanſtändige allotriepiscopia cum

*) Die Stadtſchullehrer Balthaſar Lindenlaub und Heinrich Engau ſind mit den Pasbagoglehrern Paulini und Agricola ohne weitere Unterſcheidung in einer Eingabe unlerzeichnet.

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