der Stadtſchule, über die der Fürſt unbedingt disponiren konnte, in erſter Linie zur Deckung der Be⸗ dürfniſſe des Pädagogiums herangezogen wurden. In den Vorſchlägen der Commiſſion, die für die Ein⸗ richtung des letzteren beſtellt war, wird das jährliche Erforderniß zu 847 fl. in Geld angeſchlagen;„davon abgezogen, was die praecceptores der Stadtſchule haben, nämlich 220 fl. bleiben 627 fl.,“ deren Deckung anderwärts geſucht werden mußte.
Weiter heißt es:„Der jetzige Rector der Stadtſchule könnte künftig zu einem Conrectore ge⸗ braucht werden, der jetzige Organiſt aber bei der quarta classe bleiben. Der jetzige secundus praeceptor M. Buch ſei alt und verdroſſen und würde ſich außerhalb der Stadt von ſeinen Gütern ſchwerlich begeben; man möge ihn mit einem Hofdienſtgen oder ſonſt mit jährlicher provision die wenige Zeit über verſehen, dan er alß ein emeritus nicht wohl gänzlich zu verſtoßen ſei.“
1628 verordnet der Landgraf, daß nach dem ohnlängſt erfolgten Tode des geweſenen Praeceptors M. Henricus Buchius, der Superintendent Tobias Plauſtrarius und die Definitoren eine andre Perſon erwählen ſollen, die ſo qualiſicirt ſei, daß ſie künftig an dem neu angeordneten Gymnaſium zum aller⸗ wenigſten die 4. Stelle verſehen könne. Auch an die theologiſche Fakultät zu Marburg ergeht Befehl in dieſem Sinne.
Die Stadtſchule war fortan nach der Abſicht des Stifters die untere Claſſe des Fürſtlichen Paedagogs.„Sie iſt auch in dem neuerbauten Paedagogio zuerſt gehalten, hernach aber wegen nicht ge⸗ nugſamen Raumes mit ihrem abſonderlich conſtituirten praeceptore Paedagogico M. Matern in die Kirchhofsſchule zurückverlegt worden, indem dem Rector des Pädagogs die Inſpection der Schule ver⸗ blieb. In derſelben wurde das Lateiniſche begonnen mit Benutzung eines einzigen Buches, welches enthielt 1) Cellarii vocabularium, 2) Cellarii grammatica(aus welcher die Hauptregeln auswendig gelernt, das übrige nur aufgeſchlagen werde), 3) colloquia Langiana(nebſt der explication und analysi könnte hierbei der Anfang zu kleinen compositionen, welche viva voce vor zu conſtruiren, gemacht werden).“
Bei der Trennung der Stadtſchule von dem Paedagogium ſchrieb der Superintendent Tobias Plaustrarius:„Derohalben haben Ew. Fürſtl. Gn. fürſtlich und wohlgethan, daß ſie die Statt⸗ ſchul, in welcher über 100 knaben theils teutſch, theils lateiniſch lernen und ettliche in lingua latinà legendi, scribendi, declinandi scientiam von Johanne Matern ihrem praeceptore faßen, von dem paedagogio wieder abgeſondert haben.“
Die ſpäteren Schickſale der Stadtſchule gehören eigentlich nicht in den Kreis unſerer Unterſuchung; da aber das Verhältniß dieſer Schule zu der Stadt, dem Fürſtlichen Patron und dem Gymnaſium durch Wiedergabe der darauf bezüglichen archivaliſchen Actenſtücke ziemlich klar geſtellt werden, auch das locale Intereſſe gebührende Berückſichtigung dadurch erhalten kann, ſo laſſen wir die wichtigſten der noch vor⸗ handenen Notizen folgen.
1646 vernimmt Landgraf Georg II. mißfällig, daß die Stadtſchule von deren Praeceptore nicht zur Gebühr beobachtet werde, daß derſelbe öfters verreiſe und zuweilen 3—4 Wochen ausbleibe. Er ſolle künftig die Jugend fleißig unterweiſen, und wenn er verreiſen müffe, bei ſämmtlichen inspectoribus um Erlaubniß nachſuchen.
1648 berichtet Superintendent Greber, daß Adamus Fabritius geweßener Teutſcher Schul⸗ meiſter allhier mit Vorwendung, daß er keine Unterhaltung hette, von ihm ſelber auß der ſchule geblie⸗ ben und nacher Alsfeldt gezogen, hierdurch auch der ſchule Zerrüttung und abgang mächtig verurſachet. Ob nun auch der Organiſt das ſeinige gern gethan, ſo iſt er doch über das halbe Jahr krank geweſen und anjetzo ſeelig geſtorben. Ob auch nach einem andern Schulmeiſter unterſchieden mahl umbhörung ge⸗ than, ſo kann doch keiner darzugebracht werden, daß er den dienſt annehme, weilen keine lebensmittel vorhan⸗ den ſein, und umb 25 fl. wie auch 6 Malter Korn und gerſten(ſo kein jahr geliefert werden) niemand dienen will. Als gelanget an Ew. F. G. mein unterthänig begehren gnädigen befehl ergehen zu laſſen, daß ein nahmhafftig salarium von 50 oder 60 oder 10 fl. mehr oder auch weniger gemacht, und ein tüchtiger ſchulmeiſter, der Latina, Graeca, Poetica und auch fundamenta musicae wieſſe, vocirt und ge⸗


