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1591 bitten Juſtus Wenderholt und Michael Rößler, Schulmeiſter allhier, wegen ihrer vielfaltigen labores et molestias um ein augmentum et subsidium aus Sr. F. G. Donation, darin doch ein gutter Vorrath, da ſie nun eine gutte Zeit in pulvere scholastico allhier sudirt und ihrem Amptt, ſoviel durch Gottes gnad immer mueglich höchſten vleißes ohne ruhm zu melden abgewartet, groſſe unruh und gefahr bei ſolcher menge unerzogener kinder ausgeſtanden, geſchweigen der groſſen beim meiſten hauffen vorkommenden undankbarkeit auch nicht ſo balt andre promotiones zu erwarten hätten.
Schon 1588 hatten die nämlichen ludirectores oder ludimoderatores den Superintendenten dienſt⸗ lich erſucht und gepetten, ihnen bei neigſte gelegenheit zu andern dienſten zu verhelfen, ſintemahl ſie wegen langwieriger theurung und täglich wachſender ihrer haußhaltung notturfft ſich mit ſolchem salario hinfürtter nicht mit ehren enthalten könnten, auch bei dieſer Schuel keine gelegenheit ſei, wie andre Stadtt und Dörffer Schuldiener hätten, dahin ſie, mitt ehren zu melden, eine kuhe oder deſſen ettwas ſtellen, viel weniger ziehen und nehren könnten und deßwegen alles umb den täglichen pfenning duppel bezahlen müßten. Der Superintendent hatte ihnen dieſes praecisé abgeſchlagen, mit vorwendung, daß S. F. G. ihnen gnediglich injungiret und bevohlen, das man die praeceptores allhier, welche die ingenia puerorum, auch andere ſchulen und kirchen gebräuche nu mehr erkandt und erfahren, nicht ſo baldt transferiren ſollte, in gnediger und vetterlicher Sorge und Betrachtung, das die ingenia durch die vielfeltigen permutationes praeceptorum und andre neuen introductiones lectionum distrahirt und verſtürtzt wurden.
Der 2te Stattpräceptor Schlerff wollte vom Stadtrath eine freie Wohnung erzwingen, was dieſer zurückweiſt, da es niemals herkommens geweſen, dem zweyten Praeceptor freie Wohnung zu ſchaffen; der Rath ſei zufrieden, wenn er nur bei den ſchlechten Intraden die übrigen vielen Gebäude nach höchſter Nothdurft in Bau und Verbeſſerung erhalten könne.
Dagegen erwirbt der Stadtpräceptor Lindenlaub 1692 eine Verfügung: Denen Bürgermeiſtern und Statt Rath allhier wird hiermit befohlen, daß ſie ſich mit dem Praeceptore an hieſiger Stattſchul, Lindenlaub, wegen ſeines bisher erſchienenen Haus Zinßes, der gebühr abfinden und ihm nechſtens eine tüchtige Wohnung ſchaffen oder anderweitiger Verordnung gewärttig ſein ſollen.
Unter den Stadtſchullehrern zu Ende des 16. Jahrhunderts erſcheint u. A. ein Chriſtoffel Pfeilſticker, der„nunmehr inn die 33 Jahr lang die Jungenn Methlein und etliche kleine Jungenn mit ſchreiben und leſen unterrichtet, und wegen des bawfelligen Hauſes, welcheß vonn Wegen deß Regen und bißweillen unſtetten Wetterß halben pflegt ſchaden zu nemmen, an den Landgrafen die flehlichſte Pitte richtet, Ein thauſſent Blattenn, die helfft auß gnaden, die andre helfft umb ein zimlich gelt durch Ew. Fürſtl. Gn. Ziegler folgenn zu laſſen.“
Ein anderer Schulmeiſter in Darmſtadt, Andreas Hermann, bittet„demnach durch den milten Sägen deß Allmächtigen Gottes eine gute und vollkomne maſtung zu erhoffen, er auch biß dahero kein freye maſtſchwein, wie auch ſonſten ein gar gering salarium von S. F. G. gehabt, ihm ein Schwein oder zwey wie auch andern Fürſtl. Dienern frey paſſiren zu laſſen. Interim meis ad Deum optimum Maximum preculis indesinenter fundendis, quoad vivam, meminero.“
Die Stadtſchule war eine Freiſchule,„da der Schulmeiſter in ausbleibung des salarii von den bürgern nichts bekommt.“ Auch in den Stadtrechnungen von 1538—1556 kommt keine Ausgabe für Schulen und Schulmeiſter vor.
Von den fremden Schülern verlangten die Stadtſchulmeiſter je einen Wagen Brennholz jährlich. Darüber beſchwert ſich der Diaconus Roleuer zu Pfungſtadt,„da ich ſelbſt groß mangel holtzes halben habe, und derowegen mit meinem armen weibe und kleinen kindern deß mehrerteil in einer kalten ſtuben mich erhalten muß.(Dann mein vermögen ſtreckt ſich nicht ſoweit, das ich die notturfft holtzes könne kauffen) ich geſchweige, daß ich mein Musaeum(wie dann wol notturfftig und billig were) erwermen mochte.
Vom Ende des 16. Jahrhunderts an bis zur Gründung des Pädagogiums 1629 fehlen weitere Nachrichten über die Stadtſchule. Wie dieſe Schule der neu errichteten höheren Anſtalt einverleibt wurde, wird weiter unten ausgeführt werden. An dieſer Stelle mag nur bemerkt werden, daß die Einkünfte


