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meintte vorn Caplann daſelbſt beſtellt hette. Könnte alſo deß Caplans ſohne hierdurch zum Schueldienſt zu Darmbſtadt verholfen werden.“ Dem Caplan Reuß aber antwortet er, er habe die Stelle dem Vetter ſeines Hofpredigers Johannes Crispinus, Juſtus Wenderholt von Homberg zugeſagt,„der dann gleichfals an iezo unns von dem Hochgeborenen Fürſten, unſern freundlichenn liebenn Vetternn, Hernn Mauritio, Landgravenn zue Heſſenn, daß wir dennſelben in unſerm Ortt Lannds zue einem Schuell Diennſt provociren wolttenn, verſchriebenn worden: den wir dann auch darauff vertröſten laſſenn, wofernn es der peſt halber zu Darmbſtadtt widerumb gutt würde, unnd die Schuell widerumb angerichtt werdenn konte, daß er als— dann zue ſolchem Dinnſt kommenn ſolte.“ Es ſei auch bedenklich des Caplans Sohn zu beſtellen,„die⸗ weill euer Sohnn in der Schuell zu Darmbſtadtt vonn Jugennd auff biß auff ezliche wenig Jar ſtudirt unnd ſonnder Zweivel ſeiner condiscipuli noch etzlich darin vorhanndenn ſeinn werdenn, daß ſolchs der Schuell mehr zur verachtung als zu gedeyenn gereichenn möchtte, müſtett alſo inndem bißlang ſeine con— discipuli aus der Schuell von Darmbſtadtt allerdinngs abgeſchafftt ſeienn, gedultt habenn. D. D. Cranichſteinn am 20 en Sept. 1585.
Der Caplan Reuß beruhigte ſich aber keineswegs, ſondern richtete abermals eine Eingabe an den Landgrafen:„E. F. G. ſchrifftlich Antwort hab ich geſtrigs tages empfangen und verleſen, bin auch damit zimlich wohl zufrieden, weil es ja nicht anders ſein will. Wegen der condiscipuli weiß ich mich meines teils nicht zu entſinnen, denn wir haben geſtern über vier oder fünf nicht gehabt, die ge⸗ ſungen, und mehrertheils frembden, und haben ſo eine jemerliche Schul, daß zu be⸗ ſorgen, ſie werde in etlichen Jaren zu irem vorigen Weſen nicht wider kommen, und hat alſo unſer iziger Schulmeiſter, M. Hack, nichts zu thun, will geſchweigen, daß man uns noch zur zeitt mit zweien, die müſſig giengen, beladen ſolte. Und obſchon meines Sohns mitſchüler noch ſolten vorhanden ſein, ſo ſindt ſie doch der Zeit kleine pusilli geweſen. Zum Andern, daß mein Sohn nur etlich wenig Jar zu Marpurgk ſolte complirt haben, Sage ich hierauf, daß mir die Zeitt ſehr lang worden, dan er in die ſechs Jar da⸗ ſelbſten zugebracht(So doch ein Ander, der das Factotum ſein ſoll, kaum vier Jar daſelbſt geweſen). Was E. F. G. Justo Wenderholt verheiſſen, mögen ſie ihm meinethalben wohl leiſten, Es gilt kein Prophet weniger denn daheimen und bei den ſeinen, ſagt der Herr Chriſtus Matth. 13. Mein Sohn hat ſeine operam ex meo consilio patriae zum Erſten offeriren wollen, weil aber keine gelegenheit dißmals vor⸗ handen, ſo muß er wol warten, donec melior aspiret aura.
1586 erklären Bürgermeiſter, Rath und Vierer zu Darmſtadt in einer Eingabe an den Landgrafen, in Betreff der Klageſchrift des M. Conrad Hack, Schulmeiſter allhier, daß„das von alters hero und ſo lang ſich unſer angedenken erſtrecken thut, niemals breuchlich geweßen, das man die ſchulmeiſter allhier Jahrs aus der gemein undt in fern notturfftig beholzung verſchafft haben ſolte, ſondern haben ſich, ſie ſeyen gleich ledig oder beweibt, mit demjenigen ſo die SchülerJungen teglich zugetragen oder zugefürt, beholffen, oder aber uff ihren Coſten verſchaffen müſſen“. Sie hätten ſich jedoch erboten, ihm durch den Förſter Holz im Wald geben zu laſſen, dasſelbe möge er auf ſeine Koſten machen und heimfahren laſſen. „Und ob wohl iziger Bürgermeiſter durch ſein Sönlein ihme dem Schulmeiſter ſagen laßen, er wölt ſein Jungen oder Haimberger zu denjenigen Fhurleuthen, ſo kinder in die Schul gehen hetten, umbher ſchicken und verſuchen, ob ſie ihme uff dißmal ſein gemacht holtz aus dem walt heimfhüren wolten, ſo iſt ſolches auch aus gutem willen und nicht aus pflicht beſchehen.“
1587 beklagt ſich der Schulmeiſter Juſtus Wenderholt bei dem Landgrafen, daß Bürgermeiſter und Stadtrath trotz des Fürſtl. Befehles, dem Schulmeiſter ſein Holz heimzufahren„dieſem bevelch ſeind noch wenig nachkommen und man bei ihnen ſehr wenig erhalten kann.“ Dieſe berichten dagegen, daß den Schulmeiſtern gleich den geiſtlichen Herrn„ſtehende oder liegende unfruchtbare Bäume im Wald zu Brenn⸗ holz angewieſen würden, und ſie dieſe auf ihre Koſten aufreißen und heimführen laſſen müßten. Sie könnten aber diejenigen Bürger, ſo ihre Kinder zur Schul gehen hätten, bittweiſe um fhur anſprechen, ohngezweifelt, es werde keiner unbeſcheidentlich ſolches ihnen abſchlagen.“


