Aufsatz 
Geschichte des Großherzoglichen Gymnasiums zu Darmstadt : Festschrift zur Feier des 250jährigen Jubiläums dieser Schule am 23. und 24. April 1879 / Von Wilhelm Uhrig
Entstehung
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und Morgens die Pſalmen lateiniſch ſingen und ſich in Gottes Wort allmählich auf dieſe Weiſe einüben. Auch Mädchenſchulen ſeien zu errichten, denen gebildete, geſetzte und fromme Frauenzimmer(doctae maturae et piae foeminae) vorſtehen ſollen, um die Anfangsgründe der Religion, desgleichen Leſen, Nähen und andere weibliche Arbeiten zur dermaleinſtigen häuslichen Beſtimmung zu lehren. Auch die Mädchen ſollen in der heiligen Schrift geübt werden und einen Pſalmen gemeinſchaftlich und eine von ihnen ein Kapitel der Bibel, jedoch in der Laudesſprache(vulgariter) leſen.

Nach dieſen Grundſätzen iſt jedenfalls auch die Darmſtädter Stadtſchule behandelt worden; es muß jedoch angenommen werden, daß ſie auf einer höheren Stufe als die gewöhnlichen Schulen geſtanden, daß die Lehrer Theologen geweſen*) und mindeſtens den lateiniſchen Vorunterricht für die Gymnaſien ertheilt haben. Als im Jahr 1567 Darmſtadt Reſidenz des Landgrafen Georg I. wurde, ſcheute der ſonſt ſo ſparſame Fürſt keine Koſten, um die Stadtſchule in guteu Stand zu bringen, wie dies 1578 der Schulmeiſter Wolfgang Zeis in einer Bitte um Zulage rühmend und dankbar anerkennt:

Wie ernſtlich E. F. G. dieſe gantze Zeit her ſich dieſer Stadtſchulen mit beſchreibung und guter nnterhaltung des Hypodidascali und befürderung des nützlichen und nothwendigen Schulbaues, mit ſpeiſung und bekleidung der armen Schüler angenommen, iſt für augen und am tag. Reſcript: Wir Georg Landgraf von Heſſen ꝛc. Nachdem wir dem jetzigen Rectori in der Schulenn zu Darmbſtatt Wolffgango Zeiſen aus gnaden bewilligt, das ihme zu ſeiner beßern underhaltunge jarlichs von unſernt wegenn gegeben werden ſollenn 20 Mltr. korns 6 klafter holtz, ein fuder bir, und 7 fl. hauszins, So iſt demnach unſer bevelich in gnadenn, das unſer Kelner allhie zu Darmbſtatt, ihme dem Rectori angeregte 20 Mltr. Korn, unſer Oberforſter 6 Klaftern brenholtz, unſer kuchenmeiſter ein fuder bier und unſer Cammerſchreiber berürte 7 fl. hauszins järlich und ſo lange ermelter Wolffgangus Zeis Rector in der Schulenn allhie ſein wirdt, geben und entrichten ſolle.

Signatum Darmbſtadt ahme Heiligen Pfingſtage Anno Domini 1578.

1585 bittet der Kaplan Anaſtaſius Reuß zu Darmſtadt um einen Schuldienſt für ſeinen Sohn.Gnediger Fürſt und Herr, wiewol mir nicht unbewuſt, daß unſere ſchul allhie zu Darmbſtatt noch zur Zeit nicht zu beſtellen, jedoch weil andere bei E. F. G. vor der zeit, da M. Winckelmann ſeliger kaum recht kalt worden, deswegen angeſucht, hab ich das ſchamhütlin auch abgelegt und nicht underlaſſen können, bei E. F. G. für meinen Eltiſten Sohn, Anastasium, ganz undertheniglichen zu intercediren, mit demütiger bitte, E. F. G. wollen denſelbigen rebus magis secundis zu obgemeltem ſchuldienſt gnediglichen befordern, dan er hat vor einem jar magiſtrirt, und ſein fundament in actibus Logicis, in der Philoſophi unnd ſprachen dermaßen gelegt, daß ich mich verſehe, er werde zu dieſem dienſt genugſam qualificirt, und zweifle auch nicht, Es werde der Herr Superintendens ſeines teils mit ihm wohl zufrieden ſein, Sintemal er auch ein guter Musicus. Er könte bei mir den tiſch haben, welcher ſonſten dieſer Zeit bei den Bürgern ſchwerlich zu bekommen, auch die habitation, weil das Schulhauß etwas inficirt, da man ſonſten einem peregrino ein hauß mit des Caſtens beſchwerung dingen oder beſtellen müßte. Er wolte wol gerne in studiis weiter procediren, So will mirs aber zu ſchwer werden, weil ich ſonſten noch einen zum studio halte, und dann der Kleinen noch mehr habe, die auch gerne über nacht(wofern ſie leben bleiben) etwas lernen wolten. Ich verſehe mich zu E. F. G., Sie werden, alß ein hochverſtendiger Fürſt, alle circumstantias gnediglichen erwiegen, und meine bitt und intercession in dieſem fall ſtadt haben unnd finden laſſen.

Darauf ſchreibt der Landgraf Georg, dd. Lichtenbergk den 26. Aug. 1585 an den Superintendenten, er habe die Stelle ſchon ſeines Hofpredigers Vetter, Juſtus Wenderholt, verſprochen, weßhalb eralſo wie man zu ſagen pflegett mit Einer ſchweſter zween Schwager nit machen könne. Wir haben aber hierbeneben dahin gedachtt, dieweill M. Hack gerne von der Schul wehre, daß man denſelbigen ahnn deß Caplanns ſtadtt zur Tribur da er darhin qualificirt und ſich der Endes beſſer als uff ſchuldienßt zu betragen ver⸗

*) 1585 wird der Schulmeiſter Hack zum zweiten Pfarrer zu Nieder⸗Ramſtadt ernannt.