Sapidus(unter deſſen Rectorat die Schule zu Schlettſtadt im Jahre 1517 nicht weniger als 900 Schüler zählte) gelehrt; auch das Hebräiſche trat durch Reuchlin in die Reihe der Univerſitätsſtudien ein. Wie großen Einfluß Luther auf das Schul⸗ und Erziehungsweſen gehabt, iſt allbekannt, und welche Bewunderung verdient ein Zeitalter, das aus einer ganzen Reihe von ausgezeichneten Männern jenen praeceptor Germaniae hervortreten ließ, den Philipp Melanchthon, mit 14 Jahren Baccalaureus, im 17. Jahre Magiſter und Lehrer an der Tübinger Univerſität, in ſeinem 21. Jahre berühmt als Verfaſſer der erſten griechiſchen Schulgrammatik, der ſich die eben ſo treffliche lateiniſche Grammatik anſchloß. Raſch folgen nun die Gründungen humaniſtiſcher Schulen, wie die des Gymnaſiums zu Nürnberg unter den auf Melanchthons Rath berufenen ausgezeichneten Lehrern Eobanus Heſſus und Joachim Camerarius, die bis nach Kärnthen, Ungarn und Polen hin berühmte Goldberger Schule unter Valentin Trotzendorf, die Ilfelder Schule unter Michael Neander, die Augsburger Schule unter Hieronymus Wolf, die Straßburger Schule unter Johannes Sturm, die noch heute vielfach die alte Form bewahrenden tüchtigen Württembergiſchen Latein⸗ und Kloſter⸗ ſchulen, endlich als Oppoſition gegen die ausſchließlich proteſtantiſche Bildung dieſer Anſtalten die mit geſchickter Berechnung der Verhältniſie gegründeten und von gewandten Lehrern geleiteten Jeſuitenſchulen.
Auch in den Gauen des alten Chattenlandes waren faſt gleichzeitig mit der Einführung des Chriſtenthums durch den h. Bonifacius die ehrwürdigen Kloſterſchulen zu Fulda und Hersfeld entſtanden, jene durch Sturmius in den erſten Jahrzehnten nach Errichtung des Kloſters zu Fulda(744) gegründet und durch Hrabanus Maurus(† 856) zu hoher Blüthe gebracht, dieſe in dem von Lullus(† 736) geſtifteten Kloſter durch Karl den Großen ins Leben gerufen, beide wahrhafte Culturſtätten in Mitten der Waldwüſte des Buchonia⸗Waldes und in der unheimlichen Nachbarſchaft der heidniſchen Sachſenſtämme. In dem von Hrabanus eingerichteten Scriptorium copirten 12 der im Schreiben erfahrenſten und geübteſten Mönche fortwährend Handſchriften, und in der Stille einer Fuldaer Kloſterzelle haben auch zwei Mönche, vielleicht aus der Erinnerung ihrer heidniſchen Vergangenheit, jenes Hildebrantslied niedergeſchrieben, das zu den werthvollſten Reſten unſerer Heldenſage, ſelbſt in ſeiner verſtümmelten Ueberlieferung, gehört.
In der eigentlichen Kloſterſchule erwarben ſich viele bedeutende Männer aus geiſtlichem und weltlichem Stand ihre Bildung, die keineswegs ausſchließlich den Zwecken der Kirche diente, da, wie es ein Schreiben Karls des Großen verordnet, nächſt der Regel eines ordentlichen Wandels und richtiger Uebung der Religion, auch auf Erforſchung der Wiſſenſchaft eifriger Unterricht verwendet werden ſollte. So lebte kurz nach der Mitte des 11. Jahrhunderts in dem Kloſter zu Hersfeld einer der hervor⸗ ragendſten Geſchichtsſchreiber des Mittelalters, Lambert von Aſchaffenburg, und 1499 wurde Ulrich von Hutten der Kloſterſchule zu Fulda übergeben, die er 5 Jahre beſuchte, um dann die Univerſität zu Köln zu beziehen, wo er wegen der in der Schule zu Fulda erworbenen Kenntniſſe Auf⸗ ſehen erregte.
Auch zu Fritzlar und Amöneburg waren Klöſter und Kloſterſchulen entſtanden, ſpäter in Kaſſel neben der gewöhnlichen Parochialſchule auch eine ſtädtiſche Schule errichtet worden, die von Franziskanern beſorgt wurde. Nachdem Kaſſel durch Heinrich I., den Sohn der Herzogin Sophie von Brabant, den Stammvater des Heſſiſchen Fürſtenhauſes, zur Reſidenz erhoben worden war(1277), be⸗ gann die allerdings durch innere Unruhen oft unterbrochene Thätigkeit und treue Fürſorge der Landgrafen zur Hebung der Wiſſenſchaft und des Unterrichts, durch Hermann den Gelehrten, der in Paris und Prag ſtudirte und Wilhelm den Mittleren, der vorzügliche Geiſtesgaben und eine ungewöhnliche Bildung beſaß, am wirkſamſten durch Ludwig I., der im Jahre 1454 die Hieronymianer oder Gogelherrn(wegen ihrer Kopfbedeckung, Gogel, ſo benannt), einen aus den Niederlanden ſtammenden Orden berief, der ſich aus⸗ ſchließlich dem Unterrichte gewidmet hatte und den Humaniſten den Weg bahnte.
Das Reformationszeitalter ſollte für Heſſen auch eine Umgeſtaltung des Schulweſens bringen. So wurde in Kaſſel aus den drei vorhandenen Schulen eine einzige Schule errichtet und von Philipp dem Großmüthigen dotirt, jedoch dem Bürgermeiſter und Rath das Präſentationsrecht für die„Caſſelſche Schull, Stadſchul, lateiniſche Schule und Pädagogeum“ benannte und nur erweiterte, nicht neue Anſtalt belaſſen.


