Aufsatz 
Über die Prüfung der Anlagen zu den Wissenschaften. Ein Beitrag zur pädagogischen Zeichenlehre
Entstehung
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einer ſolchen Vermittelung kein Bewußtſein haben, ſondern nur davon, daß gleichzeitig ein Gegenſtand uns leiblich afficirt und von der Seele wahrgenommen wird, ſo würde durch dieſe Annahmen auch das Pro⸗ blem nicht gelöſt werden, wie ein Eindruck von dem Körper auf die Seele übergehen könne. Wir halten uns deshalb hier nur an die ein⸗ fache Erfahrung, daß von der menſchlichen Seele in Folge äußerer Eindrücke ſinnliche Wahrnehmungen gebildet werden. Eben dieſe See⸗ lenkraft nun, welche, nach außen gerichtet, ſinnliche Dinge wahrnimmt, kann eben ſowohl jedes innere oder pſychiſche Gebilde, z. B. Einbil⸗ dungsvorſtellungen, Begriffe, Urtheile, zum Gegenſtand ihrer Wahr⸗ nehmung machen und wir unterſcheiden in dieſem Sinne eine äußere und innere Apperception. Bei kleinern Kindern iſt freilich ausſchließ⸗ lich oder hauptſächlich auf die erſte dieſer Arten zu achten, weil ſie ſich zuerſt ausbildet und viele Jahre hindurch überwiegend bleibt; auch laſſen ſich in dieſer Zeit mit einiger Sicherheit Schlüſſe auf künftige geiſtige Entwickelungen machen, worüber Schwarzs) einige vortreffliche Winke gibt. Für den Schüler, welcher ſich den Wiſſenſchaften widmen will, iſt, wie für jeden andern Menſchen jeden Berufes, auch eine mög⸗ lichſt vollkommene Auffaſſung dieſer Art zu wünſchen, theils weil von ihr die Vollkommenheit aller anderer pſychiſchen Entwickelungen zum großen Theile abhängig iſt, theils weil ſie eben darum insbeſondere ein gutes Zeichen für die innere Wahrnehmung gibt, theils endlich weil der Stoff mancher Wiſſenſchaften im Gebiete des Sinnlichen liegt. Aber die innere Apperception iſt doch offenbar für den wiſſenſchaft⸗ lichen Beruf vorzugsweiſe günſtig.

Das erſte und Hauptzeichen für beide Arten des Wahrnehmungs⸗ vermögens, darum auch die erſte Tugend, welche der Lehrer beim Un⸗ terricht von ſeinen Schülern fordert, iſt die Aufmerkſamkeit. Aber ſie iſt ein Zeichen, welches eben ſo ſchwer zu finden ſein möchte, als die Sache, auf die es uns führen ſoll. Stillſitzen, Hinſehen nach dem Lehrer, wenn er ſpricht, oder nach dem Gegenſtande, welcher beſchrie⸗ ben, auf das Buch, aus welchem gelernt wird, ſind ſo wenig die Auf⸗ merkſamkeit ſelbſt, daß ſie nicht einmal als einigermaßen ſichere Zeichen

*) Vergl. Schwarz a. a. O. im 2. Bd.