10 Erſter Abſchnitt*).
Pſychiſche Zeichen der Anlagen zu den Wiſſenſchaften.
Die pſychiſchen Zeichen ſind fur jedes der Seelenvermögen, welche hier unterſucht werden ſollen, von doppelter Art, nämlich entweder un⸗ mittelbare oder mittelbare. Unter jenen ſind zu verſtehen die eigenthüm⸗ lichen Thätigkeiten des betreffenden Vermögens, z. B. für den Verſtand die Leichtigkeit des Abſtrahirens, unter dieſen aber die Aeußerungen anderer Seelenvermögen oder Formen(vergl. die Einleitung), welche auf das in Rede ſtehende einen Schluß machen laſſen, z. B. von der Kraft der Phantaſie auf die Kraft der Auffaſſung, oder von der Neigung zu gewiſſen Gegenſtänden auf ein gutes Gedächtniß für dieſelben.
Erſtes Capitel. Von dem Apperceptions- oder Auffaſſungsvermögen.
Die Grundthätigkeit des Geiſtes, ohne welche auch keine andere beſtehen wuͤrde, iſt die ſinnliche Wahrnehmung, Auffaſſung oder Empfin⸗ dung. Sie iſt zeitlich im Leben die erſte und liefert für alle übrige Seelenentwickelungen den Stoff. Sie beruht auf einem angeborenen ſinnlichen Urvermögen, welches ſich als Geſichts⸗, Gehör⸗ u. ſ. w. Sinn in verſchiedenen Formen in Beziehung auf die äußeren Gegenſtände thä⸗ tig zeigt. Man erklärt den Vorgang des ſinnlichen Wahrnehmens ge⸗ wöhnlich ſo, daß die Eindrücke von ſinnlichen Gegenſtänden durch Sin⸗ neswerkzeuge aufgenommen und vermittelſt der Nerven und des Ge⸗ hirnes der Seele zugeführt werden. Abgeſehen davon, daß wir von
*) Vergl. ſber dieſen ganzen Abſchnitt außer den ſchon angeführten Werken von Beneke noch deſſen„pſychologiſche Skizzen. Zwei Bände. Göttingen 1825 u. 27,“ beſonders den zweiten Band unter dem eigenen Titel:„über die Vermö⸗ gen der menſchlichen Seele und deren allmälige Ausbildung“ ꝛc.„Erziehungs⸗ lehre von Fr. H. Chr. Schwarz ꝛc. in drei Bänden. Leipzig 1829.“— umriß pädagogiſcher Vorleſungen von Herbart. 2. vermehrte Ausgabe. Göt⸗ tingen 1811.


