Aufsatz 
Über die Prüfung der Anlagen zu den Wissenschaften. Ein Beitrag zur pädagogischen Zeichenlehre
Entstehung
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die Gefühlsſtimmungen, namentlich die Trägheit*), die oft ſehr ſchwer zu entdecken iſt, die nöthige Rückſicht zu nehmen. Wir könnten behaup⸗ ten: je mehr wir nach dieſen verſchiedenen Verhältniſſen die Anlagen beobachten, deſto mehr werden wir ſie gleich und ungleich finden.

Kehren wir zu den Anlagen des Erkenntnißvermögens zurück, ſo iſt alſo anzunehmen 1) daß jeder(geſunde) Menſch dieſe Anlagen als weſentliche und nothwendige Erſcheinungen des Menſchengeiſtes beſitze, daß ſie aber bei jedem Individuum nach der Richtung, ſowie nach dem Grade der Kraft der Reizbarkeit und Lebendigkeit, theils an ſich, theils in Beziehung auf einander ſehr verſchieden entwickelt ſeien. Dieſe be⸗ ſonderen Kräfte**)(oder dieſe individuelle Verſchiedenheit der allge⸗ meinen) wollen wir unterſuchen, um bei jeder einzelnen zu beſtimmen, welche Entwickelung derſelben der Erlernung der Wiſſenſchaften gün⸗ ſtig ſei, und aus welchen Zeichen man auf dieſe Entwickelung ſchließen könne. Wir werden aber von dem Beſonderen der einzelnen Kräfte nicht reden können, ohne uns jedesmal über das Allgemeine derſelben kurz verſtändigt zu haben; und da es nicht auf die Zeichen allein, ſon⸗ dern auch auf die Art, wie ſie beobachtet werden, ankommt, ſo wer⸗ den wir auch hiervon zum Schluſſe Einiges ſagen müſſen.

*) Vergl. über die Trägheit oder Faulheit den dritten Abſchnitt.

**) Vergl. Beneke Pſychol.§. 259. Die Verhältniſſe, nach welchen die Vermögen der ausgebildeten Seele begründet werden, ſind im Allgemeinen ſehr leicht feſt zu ſtellen. Jedes derſelben entſteht, ſobald in der Entwickelung der Seele zuerſt die ihm eigenthümliche Form hervortritt; es wächſt in dem Maße, wie mehrere Angelegtheiten gebildet werden, welche entweder ſchon unmittelbar dieſe Form an ſich tragen, oder bei ihrer Steigerung zum Bewußtſein in dieſe Form einzugehen geeignet ſind. Es iſt ein nothwendiges und allgemein⸗ menſchliches Vermögen, wenn die ihm eigenthümliche Bildungsform für jede menſchliche Seele, inſofern ſie überhaupt menſchlich ausgebildet wird, noth⸗ wendig eintreten muß; ein beſonderes oder individuell zufälliges, wenn das Eintreten ſeiner eigenthümlichen Bildungsform von individuellen An⸗ lagen oder von beſonderen Bildungsverhältniſſen abhängig iſt.