Aufsatz 
Über die Prüfung der Anlagen zu den Wissenschaften. Ein Beitrag zur pädagogischen Zeichenlehre
Entstehung
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in dieſen zwei verſchiedenen Formen der Thätigkeit auffaſſen. Es iſt aber ſchon erwähnt worden, was ſich gegen dieſe Eintheilung einwen⸗ den läßt, wir wollen uns deshalb mehr den herrſchenden Auffaſſungs⸗ weiſen und dem darauf bezüglichen Sprachgebrauche, ſowie dem, was wir demnach von dem Vorſtellungsvermögen unſerer Schüler zu ver⸗ langen gewohnt ſind, anzuſchließen ſuchen. Wir verlangen aber, daß die Vorſtellungen, welche wir den Schülern durch den Unterricht mit⸗ zutheilen uns bemühen, von denſelben 1) aufgefaßt, 2) feſtgehalten, 3) fortgebildet werden. Da das Feſthalten ſich nur durch das Er⸗ neuern oder Reproduciren zeigt, das Fortbilden weſentlich durch das Verbinden gewiſſer Elemente der Vorſtellungen geſchieht, ſo reden wir von einem Apperceptions⸗, Reproductions⸗ und Combi⸗ nationsvermögen. Indem wir dieſe Eintheilung unſerer Unterſuchung zu Grunde legen, werden wir noch auszumitteln haben 1) die Rich⸗ tung dieſer Vermögen, oder auf welche Gegenſtände ſie ſich zu bezie⸗ hen; 2) wie leicht, wie ſchnell oder lebendig, wie tief und vollſtän⸗ dig ſie in Thätigkeit zu treten pflegen, mit andern Worten: der Grad ihrer Reizempfänglichkeit, Lebendigkeit und Kraft*), von welchen bei⸗ den Stücken jedesmal bei den einzelnen drei genannten Arten der See⸗ lenthätigkeit die Rede ſein wird.

Wir werden ſo auf die zweite der oben gemachten Vorausſetzungen geführt, daß nämlich die Kräfte der Seele verſchieden ſeien bei verſchiedenen Menſchen, ein Satz, dem, ungeachtet er durch die tägliche Erfahrung hinlänglich beſtätigt zu ſein ſcheint, doch nicht ohne allen Beifall, namentlich in pädagogiſcher Beziehung von Jacotot und ſeinen Anhängern, widerſprochen worden iſt. Es wird nicht ſchwer halten, ſich hierüber ſoviel, als zu unſerm vorliegenden Zwecke nöthig iſt, zu verſtändigen. Verſteht man unter der behaupteten Gleichheit der Anlagen die urſprüngliche Gleichheit des Menſchengeiſtes, ſo kön⸗ nen wir dieſe metaphyſiſche Behauptung entweder unerörtert laſſen oder zugeben, da ſie für den Erzieher nicht den Werth hat, den ſie nach dem erſten Anſcheine zu haben ſcheint. Denn die Anlage, welche dem

*) Vergl. Beneke a. a. O.§. 56. Desgl. deſſen Erziehungs⸗ ꝛc. Lehre. Band I. Seite 10 ff.