Aufsatz 
Über die Prüfung der Anlagen zu den Wissenschaften. Ein Beitrag zur pädagogischen Zeichenlehre
Entstehung
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gefehlt zu haben, daß man den Seelenvermögen, bloßen logiſchen Zuſammenfaſſungen, eine reelle Bedeutung unterſchob. Logiſche Fiktionen nennt Beneke(in der Vorrede zum 2. Band der Erziehungs⸗ und Unterrichtslehre) dieſe bekannten abſtracten Seelenvermögen, zwi⸗ ſchen denen die ernſthafteſten, und eben wegen dieſer Ernſthaftigkeit lächerlichſten Grenzſtreitigkeiten geführt wurden. Dies mag vorläufig genügen, um zu erklären, was wir damit meinen, wenn wir der Seele verſchiedene Kräfte, beziehungsweiſe Anlagen, zuſchreiben. Es iſt eine Kraft, die ſich ruͤckſichtlich der Gegenſtände, der Form und der Quan⸗ tität verſchieden äußert. Eine weitere Entwickelung ihres Weſens, ih⸗ rer Entſtehung und Erſcheinung muß der Metaphyſik und Pſychologie uͤberlaſſen werden. Zwei Hauptarten der Seelenthätigkeit bieten ſich nun zunächſt unſerm Bewußtſein dar, die wir in dem angegebenen Sinne etwa Grundvermögen der Seele nennen können, das Inſich⸗ aufnehmen und das Hinauswirken, von denen das erſte dem Weib⸗ lichen, das andere dem Männlichen in der Natur entſpricht; und wir könnten die eine dieſer Thätigkeiten Receptivität, die andere Sponda⸗ näität nennen, wenn nicht nach einem falſchen Sprachgebrauch jener Ausdruck oft gleichbedeutend mit Paſſivität genommen würde, welche ihrem vollen Sinne nach dem Geiſte auf keine Weiſe zugeſchrieben werden kann; denn auch, wenn der Geiſt in ſich aufnimmt, werden ihm zwar die Gegenſtände in gewiſſer Weiſe zugeführt, aber er nimmt ſie thätig auf, ohne welche Thätigkeit die Gegenſtände in keine Be⸗ ziehung zur Seele treten können, wie dieſes bei der Unaufmerkſamkeit der Fall iſt. Auch iſt bei dieſer Eintheilung, wie bei jeder andern, zu bemerken, daß ſie fließend iſt, d. h. daß auch dieſe beiden Arten der Seelenthätigkeit nicht durch eine ſichere Grenze voneinander geſchieden ſind, ſondern allmälich ineinander übergehen, ſich eine zu der andern geſtaltend.

Neben dieſer Eintheilung beſteht die der Seelenvermögen in dem des Vorſtellens, des Fühlens und Begehrens, welche Beneke*) be⸗

*) Vergl. Lehrbuch der Pſychologie von Dr. Friedrich Eduard Bencke ꝛc. Berlin, Poſen und Bromberg 1833.§. 67 ff.Im Allgemeinen, heißt es im§. 67, können wir fünf Reizungsverhältniſſe unterſcheiden: 1) der Reiz iſt zu gering für das ihn aufnehmende Urvermögen; dann äußert ſich im Bewußtſein ein