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den, wenn der Geiſt fähig iſt, über irgend einen Gegenſtand ein ſol⸗ ches Wiſſen zu gewinnen, welches ſo eben als Wiſſenſchaft bezeichnet worden iſt.
Wir haben bisher zwei Vorausſetzungen gemacht, deren Grund jetzt unterſucht werden muß, nämlich
1) daß jeder Menſch mehrere unterſcheidbare geiſtige Kräfte habe, und— 2) daß dieſe Kräfte verſchieden ſeien bei verſchiedenen Menſchen.
Wir ſind uns unſeres Geiſtes als eines einen und untheilbaren bewußt, und wenn von verſchiedenen Kräften oder Vermögen deſſelben geſprochen wird, ſo kann dieſes nicht ſo verſtanden werden, als ob dergleichen Kräfte in dem Geiſte abgeſondert wären, etwa ſo, wie von den Phrenologen die Seelenorgane als abgeſonderte Theile des Gehir⸗ nes betrachtet werden. Mag die Frage, wie das Eine zugleich Vieles ſein könne, auch noch ſo verſchieden beantwortet werden, ſo läßt ſich das Bewußtſein der Einheit der Seele doch nicht entreißen. Wir kön⸗ nen deshalb unter den ſogenannten Seelenvermögen nur Attribute denken, welche dem menſchlichen Geiſte nach ſeinen mannigfaltigen Thä⸗ tigkeiten beigelegt werden*). Bei jeder dieſer Thätigkeiten wirkt nur der ganze ungetheilte Geiſt, eben darum, weil er untheilbar iſt. Dar⸗ um iſt es aber auch ſo ſchwer, dieſe verſchiedenen Arten der Thätigkeit genau zu ſondern; ja eine ſcharfe Begrenzung iſt unmöglich. Und man ſcheint früher, uamentlich vor Herbart und Beneke, beſonders darin
*) Schon Herder ſagt: alle Kräfte unſerer und der Thierſeele ſind nichts als metaphyſiſche Abſtractionen. Sie wurden aber abgetheilt, weil ſie von unſerm ſchwachen Geiſte nicht auf einmal betrachtet werden konnten; ſie ſtehen in Ca⸗ piteln, nicht weil ſie ſo capitelweiſe in der Natur wirken, ſondern ein Lehrling ſie ſich vielleicht am beſten ſo entwickelt. Daß wir gewiſſe ihrer Verrichtungen unter gewiſſe Hauptnummern gebracht haben, z. B. Witz, Scharfſinn, Phan⸗ taſie, Vernunft, iſt nicht, als wenn je eine einzige Handlung des Geiſtes möglich wäre, wo der Witz oder die Vernunft allein wirke, ſondern nur, weil wir in dieſer Handlung am meiſten von der Abſtraction entdecken, die wir Witz oder Vernunft nennen, z. B. Vergleichung oder Deutlichmachung der Ideen; überall aber wirkt die ganze ungetheilte Seele. Vergl. Preißſchrift über den Urſprung der Sprache„und“ Pſychologiſche Verſuche, ein Beitrag zur eſoteriſchen Logik.


