Aufsatz 
Über die Prüfung der Anlagen zu den Wissenschaften. Ein Beitrag zur pädagogischen Zeichenlehre
Entstehung
Einzelbild herunterladen

VIII

und kann überhaupt für unſere Zeit noch wenig Belehrung geben; die andere theilt zwar die Vorzüge der übrigen Werke des geiſtreichen Verfaſſers, iſt aber mehr zur Selbſtprüfung als zur Prüfung der Schüler beſtimmt*).

erklären, die man ſo oft in demſelben Menſchen zwiſchen großem Verſtande und großer Einfalt,.... gewahr wird, dazu iſt dieſe Unterſuchung nützlich. Kann wohl die Philoſophie, wenn ſie ein⸗ mal nicht zugelaſſen wird, die Dinge in der Welt zu beſſern, etwas anderes thun, als das, was geſchieht, zu beſchreiben? und wenn ſie nicht an der Spitze des Heeres gehen kann, als Befehlshaber, um die Begebenheiten zu lenken, ſo muß ſie wenigſtens hinterher⸗ gehen, als Geſchichtſchreiber, um ſie aufzuzeichnen. Garve ſcheint die Begriffe der Natur und des Zufalles hier nicht genau unter⸗ ſchieden zu haben. Zu den Worten:die Natur will nicht u. ſ. w. iſt zu bemerken, daß wir, indem wir die Anlagen der Kinder un⸗ terſuchen, um danach ihren Beruf zu beſtimmen, gerade den Willen der Natur erforſchen. Wollten wir abwarten, bis ſich dieſer durch irgend einen Zufall erkläre, ſo würde darüber leicht die Lebenszeit verſtreichen; und in der That leben viele Menſchen, wenigſtens dem Anſcheine nach, beruflos bis an ihr ſpätes Ende. Und wenn auch der Richterſtuhl, unter dem ſich Garve eine allgemeine Prüfungs⸗ commiſſion der Fähigkeiten als Staatsbehörde zu denken ſcheint(die Einführung ähnlicher Anſtalten iſt wirklich in Vorſchlag gebracht worden), dem Zwecke übel entſprechen möchte, ſo iſt doch damit nicht in Abrede zu ſtellen, daß für den Lehrer, um danach die Art des Unterrichts zu beſtimmen, die Kenntniß der Anlagen ſeiner Schüler wünſchenswerth ſei.

*) Der Grund zu dem Mangel an andern Schriften dieſer Art iſt wohl

auch der Umſtand, über welchen Beneke in der Vorrede zum erſten Bande ſeiner Erziehungslehre klagt, daß nämlichgerade diejenigen, welche unter den praktiſchen Pädagogen den erhabenſten Standpunkt behaupten, die Directoren und Lehrer der höheren Unterrichts⸗ und Erziehungsanſtalten, nur ſelten ein Schärflein für die Pädagogik beigetragen und nie ein vollſtändiges Werk über dieſelbe von ſich