Aufsatz 
Über die Bewegung eines festen Körpers in einer tropfbaren Flüssigkeit / von Ludwig Fennel
Entstehung
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Durch Verfügung Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 17. August wurde der Kandidat Dr. Alfred Kadler aus Rawitsch der Realschule behufs Ableistung des pädagogischen Probejahres überwiesen.

Eine abermalige Veränderung im Lehrerpersonale trat am Schlusse des Sommersemesters ein durch die ehrenvolle Berufung des ordentlichen Lehrers Herrn Max Walter an das Königliche Realgymnasium nach Wiesbaden. Durch seinen Abgang hat unsere Realschule eine vortreffliche Lehrkraft verloren, die an derselben vier Jahre lang in reichem Segen wirksam gewesen ist. Namentlich müssen die schönen Erfolge hervorgehoben werden, welche er durch eine neue Lehr- und Lernweise im neusprachlichen Unterrichte errungen hat, eine Methode, welcher er mit nach- haltiger Begeisterung Anerkennung zu verschaffen verstanden hat. Beweise der Achtung und herz- lichen Zuneigung seiner Kollegen, der dankbaren Anhänglichkeit seiner Schüler wurden ihm bei seinem Scheiden in reichem Masze zu teil. Seine Entlassung erfolgte am 24. Oktober vor ver- sammeltem Schulkörper im Auftrag des erkrankten Direktors durch den unterzeichneten Bericht- erstatter, welcher damit für ihn Worte des Dankes und der herzlichsten Wünsche für die Zukunft verband.

Mit dem Beginne des Wintersemesters, am 10. Oktober, erkrankte Kollege Dr. Ide an einer Pleuritis, von der er nicht wieder genesen sollte. Schon am 14. Oktober erlag er derselben. Mit ihm wurde der Schule ein blühendes Leben, ein eifriger, durch wissenschaftliche Tüchtigkeit und Lehrgeschick ausgezeichneter Lehrer dahingerafft.

Ein kurzer Rückblick auf seinen Lebensgang möge hier eine Stelle finden.

Heinrich Ide war geboren am 9. Januar 1851 zu Trusen am Fusze des Inselsberges als Sohn des Königlichen Oberförsters Ide. Seine Vorbildung für die akademischen Studien verdankte er den Gymnasien zu Fulda, wo der Unterzeichnete ihn zu seinen Schülern zühlte, und Hersfeld. Von letzterem mit dem Reifezeugnis 1870 entlassen, stellte er sich nach erfolgter Kriegserklärung als Freiwilliger unter die Fahne und machte im 2. Nassauischen Infanterie-Regiment Nr. 88 den Feldzug mit. Nach erfolgtem Friedensschlusse bezog er die Universität zu Berlin. Mathematik und Physik hatten den begabten Schüler auf dem Gymnasium besonders angesprochen, so war es natürlich, dass er sich diesen Füchern auch auf der Universität widmete. Nuchdem er im Mai 1876 zu Marburg die Staatsprüfung abgelegt, wurde ihm nach bestandenem Rigorosum auf Grund der Dissertation Beiträge zur analytischen Behandlung der sphärischen Kegelschnitte von der Marburger Universität die philosophische Doktorwürde verliehen. Sein Probejahr leistete er an der hiesigen Realschule ab, wurde an derselben am 1. Oktober 1876 Hülfslehrer und am 4. Januar 1878 ordentlicher Lehrer. Seine Beförderung in eine etatsmässige Oberlehrerstelle stand in Aussicht.

Wir verloren in Ide einen treuen, gewissenhaften und geschickten Mitarbeiter, einen mit vortreff- lichen Charaktereigenschaften und hervorragenden Geistesgaben gezierten, von der Liebe Aller, die ihn kannten, getragenen Freund.

Sonntag den 16. Oktober wurde die irdische Hülle des Verschiedenen in den Schosz der Erde gebettet, und vierzehn Tage später, Sonntag den 30. Oktober, begleitete in gleicher Weise die ganze Schule die irdischen Reste des verstorbenen Direktors Buderus zur letzten Ruhe. Das zahlreiche Gefolge, die zahllosen Blumen, Kränze und Palmzweige, welche die Särge unserer beiden verblichenen Freunde bedeckten, waren ein öffentliches Zeugnis von der Liebe und Verehrung,

welche sie genossen.