Aufsatz 
Die Vaterlandsidee in der Erziehung. Rede, gehalten bei der Schlußfeier des Schuljahres 1874/75, am Sedanstage / Aloys Denk
Entstehung
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IV. Beigabe.

Die Vaterlandsiddee in der Erziefung. Rede, gehalten bei der Schlußfeier des Schuljahres 1874/75, am Sedanstage,

von

Dr. Aloys Denl, Großh. Meallehrer.

Salve cara Deo tellus, sanctissima, salve! Sei gegrüßt, du von Gott geliebtes Land! heiliger Boden, ſei gegrüßt!

Mit dieſem patriotiſchen Gruße, Hochgeehrte Anweſende, haben vor wenigen Tagen die höheren Schulen Frankreichs die öffentliche Feier ihres Jahres⸗Abſchluſſes eingeleitet, und dortige Regierungs⸗ Organe haben auch dem größeren Publikum ausführliche Kenntniß von den feſtlichen Anſprachen gegeben, durch welche in weihevoller Stunde für Jung und Alt auf jenes Ziel hingedeutet wurde, worauf allein das Leben der Nation gerichtet ſein müſſe.

Wenn aber das vom Schickſal des Krieges ſchwer heimgeſuchte und tief gedemüthigte Frankreich alle Urſache hat, durch Wort und Schrift die vaterländiſche Begeiſterung zu wecken und zu heben: wie dürfte das deutſche Volk, wie dürfte namentlich die deutſche Schule es unterlaſſen, bei feierlicher Veranlaſſung dem Vaterlande einen lauten Jubelgruß darzubringen als Tribut des Dankes für das ſo lang entbehrte Glück, wie es aus der Vereinigung zu einer großen achtunggebietenden Nation uns erwachſen iſt. Es iſt vielmehr billig und recht, daß wir an Tagen wie heute, die zugleich patriotiſcher Erinnerung gewidmet ſind, auch an den Umſchwung denken, der ſeit dem letzten Gottesgericht in Europa erfolgt iſt..

Mit welcher Genugthuung können wir jetzt auf das Jahrzehent zurückblicken, da man vor jedem Neujahrsgruße aus den Tuilerien für den Weltfrieden zitterte!

Aber, Hochverehrte Anweſende, wir lieben das Vaterland nicht blos um deswillen, was es uns bietet, und was wir von ihm hoffen, ſondern ebenſo ſehr um deſſentwillen, was es gekoſtet hat. Und darum iſt es auch billig und recht, daß wir am Vorabend des Erinnerungstages von Sedan der ſchweren und blutigen Opfer gedenken, welche das neuerſtehende Reich von ſeinen Söhnen gefordert hat. Wahrlich, von ihnen gilt das Nämliche, was vor nicht gar langer Zeit Lincoln auch ein Martyr der großen Sache ſeines Vaterlandes, ja der Menſchheit den Helden von Gettysburg nachrühmte:Sie haben ihr Leben hingegeben, damit das Volk leben könne. Ja, auch unſre deutſchen Brüder, die nicht mehr heimgekehrt ſind vom blutigen Schlachtfeld, ſie haben dem Vaterlande, ſie haben dem einzigen und wahren Leben der Nation freudig das letzte Opfer gebracht, das ein Menſch zu bringen vermag.