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Jahresbericht.
Das vorige Schuljahr erhielt ſeinen erhebenden Abſchluß am 1. September 1875, am denk⸗ würdigen Tage von Sedan. Es war dies zugleich die würdigſte Schlußfeier der Realſchule, bei der in Rede und Geſang der Bedeutung jenes Tages gedacht wurde, von dem an wir eine neue Wendung der Weltgeſchichte zu rechnen haben.
Von der bezüglichen Anſprache des Direktors mögen hier die Schlußworte eine Stelle finden:
„Die Erinnerungen, welche ſich an den heutigen Tag knüpfen, beginnen bereits in die Glie⸗ derung geſchichtlicher Perioden einzutreten. Iſt doch, um mit der Sprache der Gelehrten zu reden, ſchon ein Luſtrum, d. h. ein Zeitraum von fünf Jahren verfloſſen, ſeitdem mit der Schlacht von Sedan die dritte der großen Befreiungsſchlachten geſchlagen wurde, welche Deutſchland von fremdem Druck, von fremdem Uebermuth erlöſte,— ſeien wir der Zuverſicht— für immer! Denn erſt vor wenig Tagen haben viele Tauſende, an ihrer Spitze der deutſche Kaiſer, ſich vereinigt, um auf den Höhen des Teutoburger Waldes den Helden des alten Germaniens zu feiern, der Roms Legionen vernichtete, und die flammenden Feuer, die morgen von den Höhen lodern werden, rufen der Erinnerung die Freudenfeuer zurück, die lange Zeit hindurch alljährlich den Tag von Leipzig verherrlichten.
„Aber welch ein Unterſchied in dieſen drei großen Gedächtnißtagen unſeres Volkes!
„Tief in's Herz von Deutſchland war der Feind eingedrungen, als das Verderben in Teutoburgs Wäldern und auf Leipzigs Feldern ihn erreichte. Armin hatte die Elemente, Deutſchland halb Europa zu Verbündeten, um dieſe Erfolge zu vereinigen.
„Nicht ſo bei Sedan. Frankreich, auf eigenem Boden wiederholt geſchlagen in großen Schlachten, ſein beſtes Heer umzingelt und feſtgebannt in der eigenen Feſtung, raffte alle Kraft zu⸗ ſammen, um mit dem Muthe der Verzweiflung dem Feinde zu begegnen, der lediglich aus deutſchen Heeresmaſſen beſtand.
„Vergeblich! Ueberlegene Kriegskunſt und eine unübertroffene Tapferkeit bereiteten ihm die voll⸗ ſtändigſte Niederlage und mit Erhebung gedenken wir daran, wie die drei größten deutſchen Volks⸗ ſtämme, Preußen, Bayern und Sachſen, mit wetteifernder Hingebung ſich vereinigten zu glorreichem Siege.
„Worin aber— Deutſche Jugend— beſteht deine beſte Siegesfreude? Welches iſt die beſte Frucht, die reifen ſoll aus dem heldenmüthig vergoſſenen Blut deiner Väter?
„Wachſe heran zu gleicher Tüchtigkeit und Treue! Gottesfurcht, Sittlichkeit, geiſtige und körperliche Bildung— dies dein Weg zum Ziel.
Und ruft dereinſt das Vaterland, Dann, deutſche Jugend, Hand in Hand, Gott iſt mit Dir!“
Das Schuljahr 1875/76 wurde eröffnet am 4. Oktober 1875 mit 581 Schülern, was eine abermalige Zunahme von nahezu 100 Schülern beträgt. Aus der S. 8 gegebenen Ueberſicht läßt ſich erkennen, mit welch günſtigem Erfolg die Durchführung der völligen Trennung unſerer Anſtalt in eine Realſchule I. Ordnung und in eine ſolche II. Ordnung ſich vollzogen hat, indem erſterer ſofort 250 Schüler ſich zuwendeten, während letzterer 331 verblieben.
Einige Störung erwuchs der Schule daraus, daß der verdiente Senior unſeres Kollegs, Herr Schumacher, von den Nachwirkungen eines heftigen Krankheitanfalles während der Herbſtferien


