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Dem Oueſtenberg ſagt er ganz offen, wie er vom Kaiſer und dem Reiche denkt „Nein, Herr! Seitdem es mir ſo ſchlecht bekam, Dem Thron zu dienen auf des Reiches Koſten, Hab' ich vom Reich ganz anders denken lernen. Vom Kaiſer freilich hab ich dieſen Stab, Doch führ' ich jetzt ihn als des Reiches Feldherr, Zur Wohlfahrt aller, zu des Ganzen Heill, Und nicht mehr zur Vergrößerung des Einen!
Wallenſtein hat„ein Herz für Deutſchland's Leiden.“„Der Jammer dieſes deutſchen Volks erbarmt mich“ ſagt er zu dem Küraſſier und er hält ſich ſelbſt für berufen,„den Knäuel“ der Verwirrung in Deutſchland zu zerhauen:
„Ich fühl's, daß ich der Mann des Schickſals bin,
Und hoff's mit eurer Hülfe zu vollführen.“
Dieſes Schickſal aber iſt es eben, welches ihn antreibt und ihm Stärke verleiht, vor dem Treubruche nicht zurückzubeben. Sein Selbſtbewußtſein entſpringt aus ſeinem Aberglauben, wenn man auf den Urquell zurückgehen will.
Stets hielt er ſich: 4 „für ein begünſtigt und befreites Weſen! Und keck, wie Einer, der nicht ſtraucheln kann, Lief er auf ſchwachem Seil des Lebens hin.“
Das Glück, welches ihn überall begleitete, beſtärkte ihn natürlich in dieſem Wahne Sagt er doch ſelbſt, daß es ihm treu geweſen: „Hob aus der Menſchenreihen mich heraus Mit Liebe, durch des Lebens Stufen mich Mit kraftvoll leichten Götterarmen tragend. Nichts iſt gemein in meines Schickſals Wegen Noch in den Furchen meiner Hand. Wer möchte Mein Leben mir nach Menſchenweiſe deuten?
Deshalb kann er auch„nicht zu dem Glücke— großthuend ſagen: Geh! ich brauch Dich nicht.“
So„in die Höh“ gekommen und„über die gemeinen Häupter der Menſchen“ hinweg⸗ ragend, will er„die große Lebensrolle mit gemeiner Verwandtſchaft“ nicht beſchließen, ſondern


