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auf dem Haupte ſeiner Tochter, welche„das Einzige iſt, was ihm auf Erden nachbleibt“, „eine Krone ſehen, oder nicht leben.“„Sie iſt ein langgeſpartes Kleinod, die höchſte letzte Münze ſeines Schatzes.“„Nicht niedriger fürwahr gedenkt er ſie, als um ein Königsſcepter loszuſchlagen.“
Allerdings kann man nun einwenden, daß auch Macbeth vom Ehrgeize nicht ausſchließlich beſtimmt wird, ſondern daß bei ihm ebenfalls der Aberglaube eine bedeutende Rolle ſpielt. Hiermit kann nur die Erſcheinung der Hexen gemeint ſein. Wenn man indeſſen genau auf die Worte und das Benehmen Macbeth's bei dieſer Viſion achtet, ſo findet man, daß in ihm der Ehrgeiz ſeine Ideen von Herrſchaft und Macht ſchon früher wach gerufen, ehe noch die Zauberſchweſtern ihre Prophezeihungen an ihn richten. Denn er bebt zuſammen und erſchrickt vor Dingen,„die doch,“ wie Banquo ſagt,„ſo lieblich lauten.“ Und als die Orakel ſchweigen, fordert er voll Entzücken eine genauere Auskunft:
„Halt, halt! Ihr Stammlerinnen, ſagt mir mehr!“
und bedauert das ſchnelle Verſchwinden der Hexen:„O wären ſie geblieben.“ Man ſieht, daß er beim Nennen ſeiner ehrgeizigen Pläne wie ein Verbrecher auffährt und dennoch gern bei dem Gedanken, Herrſcher zu werden, verweilen will. So benimmt ſich aber derjenige nicht, der zum erſten Male ſolche Wahrſagung über ſeine Standeserhöhung vernimmt, ohne jemals an die Möglichkeit derſelben gedacht zu haben. Bei Macbeth iſt alſo die Hexenerſcheinung die Folge der unlauteren Phantaſiegebilde von unerwarteter Herrlichkeit und Würde. Der Ehrgeiz iſt immer das erſte, urſprüngliche Motiv, welches, da es das ganze Dichten und Trachten des Helden ausmacht, aus ihm gewiſſermaßen heraustritt und ſich ihm gegenüber verſinnlicht und verkörpert, ſo daß er nichts ſieht und hört, was er nicht ſchon ſelbſt gedacht oder gefühlt hätte.
Wallenſtein dagegen ſieht keine Geiſter als Ausgeburten ſeiner Phantaſie, ſein Aberglaube ſtammt aus ſeiner Sternkunde und hat daher einen wiſſenſchaftlichen Anſtrich, der ihm eine gewiſſe Unfehlbarkeit verleiht.
„Du wirſt mir meinen Glauben nicht erſchüttern, Der auf die tiefſte Wiſſenſchaft ſich baut.“ ſagt Wallenſtein zu Illo und ſelbſt nach Octavio's Verrath ändert er ſeine Meinung nicht:
„Die Sterne lügen nicht, das aber iſt Geſchehen wider Sternenlauf und Schickſal. Nur auf der Wahrheit ruht die Wahrſagung.“
Er iſt Fataliſt durch und durch und wenn ſeine Stirn umdüſtert iſt, wenn er in Tief⸗
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