Aufsatz 
Schiller's Wallenstein und Shakespeare's Macbeth
Entstehung
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Voreilig Jauchzen greift in ſeine Rechte. Den Samen legen wir in ihre Hände, Ob Glück, ob Unglück aufgeht, lehrt das Ende.

So entſchließt ſich ein durch Undankbarkeit tief gekränkter Fürſt, der, obgleich er das Recht auf ſeiner Seite zu haben glaubt, dennoch den Folgen ſeiner Handlungsweiſe mit banger Erwartung entgegenſieht.

Macbeth fehlt aber jedes andere Motio und nur der Ehrgeiz, welcher verwerflich iſt, ſo⸗ bald er das Maaß überſchreitet, verſucht ſeine ſittliche Natur und umgaukelt ſie mit lockenden Traumgeſtalten vonMacht und unbeſchränktem Herrenthum.

Das endliche Unterliegen des Helden führt uns auf den dritten Punkt bei Ulrici.

II.

Denn Wallenſtein läßt ſich nicht, wie Macbeth, vom Ehrgeize allein beſtimmen, ſondern es ſind noch zwei andere Motive vorhanden, welche ihn veranlaſſen,die Pflicht der Treue gegen den Kaiſer, nicht aber gegen das Reich zu verletzen: ſein Patriotismus*) nämlich und ſein Aberglaube. Nicht gedenkt er gegen das Reich aufzutreten, ſondern er iſt feſt entſchloſſen,

die mühevollen Tage deſſelben zu verbeſſern und die Integrität des deutſchen Vaterlandes zu wahren:

Es ſoll nicht von mir heißen, daß ich Deutſchland Zerſtücket hab', verrathen an den Fremdling,

Um meine Portion mir zu erſchleichen.

Mich ſoll das Reich als ſeinen Schirmer ehren, Reichsfürſtlich mich erweiſend, will ich würdig

Mich bei des Reiches Fürſten niederſetzen.

Es ſoll im Reiche keine fremde Macht

Mir Wurzel faſſen, und am wenigſten

Die Gothen ſollens, dieſe Hungerleider,

Die nach dem Segen unſers deutſchen Landes

Mit Neidesblicken raubbegierig ſchauen.

Beiſtehen ſollen ſie mir in meinen Planen, Und dennoch dabei nichts zu fiſchen haben.

*) Vergl, Rönnefahrt: Schillers dramatiſches GedichtWallenſtein aus ſeinem Inhalt erklärt.