Aufsatz 
Schiller's Wallenstein und Shakespeare's Macbeth
Entstehung
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Abſolute Gewalt hat er, müßt Ihr wiſſen,

Krieg zu füͤhren und Frieden zu ſchließen,

Geld und Gut kann er confisciren,

Kann hängen laſſen und pardonniren,

Offiziere kann er und Oberſten machen, Kurz, er hat alle die Ehrenſachen.

Das hat er vom Kaiſer eigenhändig.

Macbeth aber wird erſt im Verlaufe der Handlung erhöht, ohne daß Duncan das Heft aus den Händen giebt. Er hat alſo weder ein ſubjectives Recht, noch tritt ihm das objective des Herrſchers feindlich gegenüber, nein es kommt ihm daſſelbe vielmehr mit Liebe und An⸗ erkennung aller Verdienſte freundlich entgegen. Und dennoch führt Macbeth den Todesſtreich gegen Duncan. Ohne Fug und Recht geſtattet er ſich die größten Uebergriffe und reiht an ſeine Gewaltthat Verbrechen über Verbrechen, welche das Haupt des Tyrannen mit einer Schuld belaſten, deren Strafe unausbleiblich ſein muß.

Somit wird auch der zweite Geſichtspunkt, nach dem die beiden Tragödien übereinſtimmen ſollen, in Betreff Macbeth's ſich weſentlich verändern.

Il.

Kampf der ſittlichen Natur des Helden mit der in dieſem Conflicte liegenden gewaltigen Verſuchung.

Wallenſtein hat in der That dieſen langen und harten Kampf zu beſtehen, weil er ſich zur Herrſchaft innerlich berechtigt fühlt und mit dem objectiven Rechte, welches ihm entgegen⸗ ſtrebt, in offene Fehde gerathen iſt. Doch als er zu einem Entſchluſſe kommt, iſt es zu ſpät.

Macbeth aber weiß nichts von ſubjectiver Berechtigung, ſondern wird nur von ſeinem maßloſen Ehrgeize in Verſuchung geführt, nach der Herrſ chaft zu ſtreben:

Ich habe nichts, zu ſpornen meinen Vorſatz, Als Ehrgeiz, der ſich in den Sattel ſchwingt, Sich uͤberſchlägt und jenſeits niederfällt.(Act I. Sc. 7.) Mit den Worten: Verbirg Dich, Sonnenlicht! Schau meine ſchwarzen, tiefen Wünſche nicht!