Aufsatz 
Friedrich Wilhelm Weber's "Dreizehnlinden" : eine literarische Studie / von Johannes Bernhard Feitel
Entstehung
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zu haben. Der weit entrückte geschichtliche Hintergrund des Stoffes, sein Hinübergreifen in alte Rechtsverhältnisse, in Sagen- und Märchenwelt und germanischen Götterkultus, führen auf Gebiete, die unserer sonst anerkennenswerten Durchschnittsbildung zu fern liegen, als dass einige erklärende Winke zum Verständnis entbehrlich wären. Sie mögen auch das Gute haben, den einen oder anderen auf die tiefsinnige Symbolik unserer Mythologie aufmerksam zu machen, die noch viel zu wenig gekannt ist, während wir die Götter und Göttinnen des Olymp, die grossen samt den kleinen an den Fingern herzählen. Dann giebt der Dichter im Verlaufe der Erläuterungen Auskunft über Wodan, Donar, Balder, Holla, Freia, Idis, Hela, Bragi, Idun, Goldemar, Wieland, die Nornen, Walhall, das Wendelmeer, Frau Harke, Wodan's altes Heer, Donar's Hammer, den Bilwissreiter, die Götterdämmerung, die hei- ligen Zwölfe u. s. W. Ist es nicht zu bedauern, dass der Hochgenuss, welchen die Lektüre eines herrlichen nationalen Epos gewährt, einer grossen Anzahl von Lesern trotz unserer sonst an- erkennenswerten Durchschnittsbildung dadurch geschmälert wird, dass sie die deutsche Mytho- logie nur mangelhaft kennen, während sie mit der griechischen und römischen recht wohl be- kannt sind? Dass sie selbst von Wodan, dem Alten, Niemalsausgesprochenen, Nimmermüden, dem Himmelshünen nicht gar viel zu erzählen wissen? Oder sind etwa die Erläuterungen in der Aus- dehnung, wie sie der Verfasser gegeben, als überflüssig zu bezeichnen?

Da nunDreizehnlinden so mannigfaltige Anregung zum Studium unserer Mythologie giebt und ein Meisterwerk von klassischer Vollendung ist, in welchem ein durchaus christlicher und deutscher Geist weht, so schliesse ich meine Studie mit dem Wunsche, dass dieselbe dazu beitragen möge, dem herrlichen Epos immer weitere Verbreitung zu verschaffen; mit dem Wunsche, dass diese geniale Schöpfung auch an unseren höheren Schulen Eingang finden und unserer vaterländischen Mythologie einen ehrenvollen Platz neben der griechischen und römischen er- ringen helfen möge.