Aufsatz 
Friedrich Wilhelm Weber's "Dreizehnlinden" : eine literarische Studie / von Johannes Bernhard Feitel
Entstehung
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Friedrieh Wilhelm Weber's O réeizehRmASnden.

Eine litterarische Studie . von

Joh. Bernh. Feitel, Oberlehrer.

I. Urteil der Presse.

Friedrich Wilh. Weber'sDreizehnlinden) eine epische Dichtung aus dem Jahre 1878, hat allseitig in der Presse eine höchst günstige Beurteilung erfahren. Die Kritik ²) sagt unter anderem:

Nicht nur die verschiedenen Konfessionen, sondern auch alle politischen Parteien Deutsch- lands können gleichermassen ihre herzliche Freude an diesem Epos haben. Es ist ein Geschenk, würdig dem ganzen deutschen Volke dargebracht zu werden, und wird, so weit die deutsche Zunge klingt, überall eine willige Aufnahme finden; es wird, mehr als irgend eine andere Dich- tung aus den letzten fünfzig Jahren gar manches Herz erbauen und manchen Geist erfreuen; es wird weit hinausragen über unsere gegenwärtige Zeit: denn es gehört zu dem Besten, was in neuerer Zeit, was seit langem gedichtet worden ist. Voll von herrlichen Gedanken, formvollen- det und farbenreich, gleicht es einer duftfrischen Blüte, und es ist seit langer Zeit keine solche Blüte mehr am reichen Baume der deutschen Poesie gewachsen; ja, es reiht sich würdig dem Besten an, was wir an deutscher Epik überhaupt besitzen.

Dreizehnlinden ist ein hohes Lied von Sachsennot und Sachsentreue, ein hoch- poetisches Denkmal des Christentums; es verherrlicht den Sieg des Christenkreuzes durch die christliche Nächstenliebe und weise Belehrung. Es ist wie ein Gruss aus fernen Landen; die- jenigen aber, welche uns grüssen, sind unsere eigenen Vorfahren; deshalb muss diese Dichtung auch als eine volkstümliche, echt deutsche bezeichnet werden.

Der Epos raset nicht in phraseologischer Lyrik, wie Klopstock's Messias, sondern schreitet in Einfachheit und Naivetät ruhig dahin. Es ist ein edlererTrompeter von Säckingen und ungleich kräftiger, alsAmaranth. Die Art und Weise, wie die Personen reden, erinnert an die vielgepriesene Kunst des griechischen Dichters Sophokles.

Die Sprache ist voller Kraft, würdig, edel, der Ausdruck gewandt und kunstvoll. Die weichen, reinen, melodischen Verse klingen manchmal überraschend. Sprache und Vers stehen

¹) Dreizehnlinden von F. W. Weber. Paderborn, Ferdinand Schöningh.

²) Man vergleiche:Fr. W. Weber. Sein Leben und seine Werke im Spiegel der Kritik. Paderborn. Ferdinand Schöningh.

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