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von Nazianz¹), endlich Nonnos*) und seine Nachfolger³). Sie setzen die von den jüngeren Alexandrinern eingeschlagene Richtung weiter fort und geben dem Hexameter eine sehr viel grössere Weichheit, ja Schlaffheit, so dass der weibliche Ausgang der ersten Vershälfte den männlichen nicht wie bei den Alexandrinern durchschnittlich um das Doppelte, sondern um das Vierfache und mehr übersteigt. Diese Art des späteren epischen Verses ist allerdings sehr leicht erkennbar; sie artet zuletzt so weit aus, dass z. B. im 6. Jahrh. Agathias⁴)(für seine Zeit kein schlechter Poet) ein Gedicht von 77 Hexametern verfasst, unter welchen 76 tro- chäische Cäsur im dritten Fusse haben, einer die Penthemimeres.
Hieraus erhellt, dass, wenn ein Lehrgedicht in zierlichen Versen und edler Sprache die weiblichen Cäsur-Ausgänge nur doppelt so häufig hat wie die männlichen, dies mehr ein Beweis für als gegen dessen höheres Alter ist. Von einem Epiker der Kaiserzeit hätte man entweder mehr oder weniger erwarten sollen; jenes mittlere Maass des Uebergewichts ist genau dasselbe wie das durchschnittliche bei den Alexandrinern. Nun ist nicht zu leugnen, dass nicht nur das später Regel werdende Uebermaass auch schon bei den Alexandrinern hin und wieder vorkommt), sondern vielleicht auch in der früheren Kaiserzeit noch einzelne Beispiele jenes Mittelmaasses zu finden sindé), dass also der Perieget um seines so gebauten Verses willen möglicherweise auch in dieser hätte leben können; aber Niemand wird daraus einen Beweis hernehmen wollen dafür, dass er darin gelebt habe. Von einem so schiefen Urtheil hätte Bern- hardy sich schon durch G. Hermanns Autorität abschrecken lassen sollen. Denn wenn je Einer war, der ein sicheres Gefühl für alles Sprachliche und für den Wohl- oder Missklang des Vers- baues hatte, so war es G. Hermann.
Wegen der bei D. verhältnissmässig gar nicht seltenen Spondeen verweise ich auf die gründliche Untersuchung von A. Ludwich in Fleckeisens Jahrbüchern 1874, p. 237; sie
(4: 1); 14, 1— 100(9: 2); 8, 1— 100(fast 5: 1); 1, 1— 100(5: 1); 1, 731— 830(9: 1); die Grenzen also sind 3: 1 und 9: 1. Nicht selten finden sich 25 Verse nacheinander mit weiblicher Cäsur.
1) Z. B. Carm. Dogm. 1(11: 2); ib. 2(19: 6); also zwischen 3: 1 und 6: 1. 2) Z. B. Dion. 46, 1— 100(7: 3); 25, 1— 100(19: 6); 7, 55— 154(39: 11); 1, 1— 100(81: 19); 17, 1— 100(9: 2); 36, 1— 100 (87: 13); also von 2: 1 bis zu 7: 1.
3) Tryphio dor. 301— 400(18: 7); 592— 691(81: 19); 1— 100(21: 4);— Kolluthoß 1—100(4: 1), 294— 393(41: 9);— Musaeos 1— 100(18: 7); 242— 341(18: 11);— Christodor. Coptit. v. 317— 416(ung. 10: 3);— Ioa. Gazaeus v. 1— 100(2: 1); 512— 611(9: 2);— Paul. Silentiar. Descr. Amb. 1— 100(7: 1); Descr. M. Eccles. 514— 613(17: 3);— auch kleinere hexametrische Gedichte dieser Zeit wie Epigr. Anthol. I, 10(5: 2); IX, 362(3: 1); IX, 656(5: 2); XV, 40(13: 6) zeigen ähnliche wenn auch gelindere Verhältnisse. — Die Evangelien-Metaphrase des Nonnos ist völlig analog; Cap. 7 z. B. und 15 zeigen das Ver- hältniss 3: 1.— Bei allen diesen Dichtern sind Nicht-Trennungen im 3. Fuss selten; 30— 40 Verse nach der Reihe haben oft trochäische Cäsur.— Aber die Psalmen-Metaphrase des Apollinarios, wie sie sonst manches Räthselhafte hat, steht auch darin allein, dass sie weder übertrieben harte noch übertrieben weiche Cäsuren, sondern das edle Mittelmaass der Alexandrinischen Lehrdichtung hat, durchweg 2: 1, bisweilen auch 5: 4, 4: 3. Wir verweisen auf den Schluss der vorigen Abhandlung.— Sollten die Lithica wirklich dem Ende des 4. Jahrh. angehören(Tyrwhitt, Preller u. A.), so würden auch sie eine Ausnahme bilden. 4) Anthol. Pal. IV, 3, v. 47— 133. 5) Bei Nikandros, Bion, Moschos, Euphorion: siehe oben.
6) Sichere Beispiele von Epikern aus der ersten Kaiserzeit giebt es nicht, aber möglicherweise sind die Lithica des Orpheus und das 4. Buch der Sibyllinischen Orakel dahin zu setzen; beide Gedichte haben ungefähr das Cäsurenverhältniss des Dionys(2: 1), welches auch das des Maximos und Naumachios ist. An sich wäre es nicht undenkbar, dass der Alexandrinische Stil noch während des ersten christlichen Jahrh. fortgewirkt hätte; aber alle diese Gedichte könnten um ihres Versbaues willen ebensogut Alexandrinisch sein.


