Fehler zu begehen, iſt eine verfehlte und verderb⸗ liche, weil dadurch die Individualität und der Charakter verhindert wird ſich zu entwickeln, anderſeits Heuchelei, verſchmitztes und verſchlagenes Weſen großgezogen wird.“ Über dieſen Gegenſtand können wir ein Mitglied der Geſelſſchaft ſelbſt ſprechen laſſen. P. Karl ſpricht ſich in einer Schrift „Die alten und die neuen Schulen“(1846) alſo aus:„Die Schulzucht iſt nicht beſtimmt, für ſich allein die Jugend ſittlich gut zu machen; aber, einer rechten Erziehung zur Seite gehend, wird ſie deren Wirkſamkeit ſichern und erhöhen. Sie gibt zunächſt dem Ganzen der Schule das Ausſehen einer Anſtalt, in der Religion und ſittliche Würde, Verſtand, Fleiß und Ordnung herrſchen; dadurch erhält ſie in dem Zögling das Bewußtſein deſſen, was von ihm gefordert wird, zügelt zugleich ſeine Leichtfertig⸗ keit und kommt mancher Ausgelaſſenheit zuvor. Alle übrigen Vorſchriften über das Betragen in und außer der Schule ſollen die Zöglinge an überwindung ihrer ſelbſt gewöhnen, oder äußere Gefahren ſitt⸗ lichen Verderbniſſes entfernen. Sehen wir nun, ob ſie dieſes zuſtande bringen ohne Heuchelei und Sklavenſinn zu erzeugen. Es iſt wahr, daß Knaben ſich gewöhnlich dem Schulgeſetz fügen, weil ſie noch gar nicht daran denken, es könne auch anders ſein. Aber erſtlich iſt, eine religiöſe Erziehung vorausgeſetzt, auch im zarten Alter die ſchöne Tugend des kind⸗ lich frommen Gehorſams wenigſtens nicht ſelten... Nach und nach erfahren ſie an ſich, wie ſüß es ſei, ſeinen Pflichten mit überwindung ſeiner ſelbſt genugzuthun, und mehr noch als die Gewohnheit wird die Erfahrung das Joch des Geſetzes leicht machen. Wie ſie aber heranreifen und den Geiſt der ſie leitenden Vorſchriften zu würdigen beginnen, fangen ſie auch an aus freiem Entſchluß zu thun, was ſie bisher aus mehr oder weniger blindem Gehorſam thaten. Dank aber gebührt dem Lehrer, daß er den Sturm der Leidenſchaft nicht erſt in ihm anſchwellen und die böſe Gewohnheit nicht erſt in ihnen Wurzel treiben ließ, um jetzt beim Erwachen der Vernunft ſie in einen um ſo heftigeren und ge⸗ fährlicheren Kampf zu werfen. Indes iſt es be⸗
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ſonders dieſe heranreifende Jugend, für welche man die Freiheit in Anſpruch nimmt, freilich nicht ohne mit ſich ſelbſt in einen ſonderbaren Widerſpruch zu geraten. Denn wenn man will, daß die Jüng⸗ linge, von ſtrenger Zucht befreit aus innerem An⸗ trieb ſich alle Tugenden erwerben ſollen, ſo macht man ſich eine ſehr vorteilhafte Idee von ihrer moraliſchen Kraft; wenn man dagegen behauptet, daß ſie Geſetzen, deren Beobachtung ihnen doch Vernunft und Religion empfehlen, ſich nur aus Heuchelei und ſklaviſcher Geſinnung fügen werden, ſo ſetzt man ſchon einen hohen Grad ſittlicher Ver⸗ kommenheit voraus. Die Wahrheit aber iſt, daß ſie im Kampfe begriffen ſind, das Gute billigen und lieben, jedoch mit großer Schwierigkeit vollbringen. (Video meliora, proboque; deteriora sequor.) Dieſe Schwierigkeit entſteht nicht bloß aus den er— wachenden Leidenſchaften, ſondern auch aus der jugendlichen Unbeſonnenheit, dem Wankelmute und manchen äußeren Gefahren. Überhaupt würde man ſich eine viel zu geringe Vorſtellung von der Kraft der religiöſen Erziehung machen, wenn man verzweifelte es dahin zu bringen, daß die meiſten Zöglinge das Schulgeſetz mit Bewußtſein und freier Wahl ſich ſelbſt zur Lebensregel machen, und dieſe im Hinblick auf Gott, der ſie durch ihre Lehrer leitet, und aus Liebe zu ihrem eignen Wohl beob⸗ achten. Wo dies aber geſchieht, welche Früchte laſſen ſich dann von einer weiſen Zucht erwarten!“
Was wir über die Erziehungsweiſe der Jeſuiten und deren Erfolge gehört, zeigt ſchon zur Genüge, daß mit Unrecht denſelben eine einſeitige Betonung und Anwendung der(menſchlichen) Autorität, ohne die Mittel der Erziehung zur ſittlichen Freiheit vor⸗ geworfen wird. Wie wäre es auch möglich ge⸗ weſen, daß die Jeſuitenſchulen, wie es von ka⸗ tholiſchen und proteſtantiſchen Pädagogen ausge⸗ ſprochen wird, wirklich Großes geleiſtet haben? Wir wollen hierfür nur einen proteſtantiſchen Pädagogen aus älterer und einen aus neuerer Zeit noch an⸗ führen. Franz Baco) ſagt: Was die Pädagogik
¹) geb. 1561 zu London, unter Jakob I. Kanzler von England und Baron von Verulam.


