Aufsatz 
Über die "Erziehung zur Freiheit"
Entstehung
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ſich in dem großen Geiſteskampf auf gleichen Boden mit den Gegnern und Feinden der Kirche, um auf demſelben Kampfplatz mit gleichen Waffen den Sieg zu erringen. Daß ferner die Jeſuiten die for⸗ melle Bildung mehr betonen als die materielle, iſt gewiß kein Nachteil. Denn die Aufgabe der Erziehung und Bildung iſt nicht zunächſt die, dem jungen Mann eine gewiſſe Summe von Kenntniſſen beizubringen, ſondern die gleichmäßige Ausbildung der Geiſteskräfte zu ſelbſtthätigem Schaffen auf wiſſenſchaftlichem und künſtleriſchem Gebiete. Wenn weiter behauptet wird, daß die ſtraffe Disciplinierung in den Jeſuitenſchulen einer beſſeren und allſeitigen Entwicklung entgegenſtände, ſo muß man nicht vergeſſen, daß je nach den Zeit⸗ verhältniſſen und der geiſtigen Entwicklung der Schüler ein plus und minus nicht ausgeſchloſſen war. Daß die Jeſuiten es verſtehen, mit der Zeit fortzuſchreiten, wird niemand leugnen, welcher die gegenwärtigen Leiſtungen der Jeſuiten auf allen Gebieten der Wiſſenſchaft verfolgt. Wir verweiſen nur auf die wiſſenſchaftliche ZeitſchriftStimmen aus Marialaach.(Herder, in Freiburg).

über die Leiſtungen der Jeſuitenſchulen, auch nach der Wiederherſtellung des Ordens, haben be⸗ rufene Urteile die früheren beſtätigt. Im Jahre 1843 ſandte der öſterreichiſche Gymnaſial⸗Studien⸗ direktor, nach geſchehener Reviſion des Gymnaſiums zu Innsbruck, folgendes Urteil an die Studien⸗ hofkommiſſion:Rückſichtlich der Beſchaffenheit des Leitungs⸗ und Lehrperſonals ſchicke ich die der ganzen Körperſchaft zukommenden Merkmale voraus; dieſe ſind ein exemplariſch prieſterlicher Wandel, ein gänzliches inniges Sichhingeben jedes Mitgliedes an den Willen der Oberen, ein höchſt regſames Streben, die Lehranſtalt emporzubringen; endlich die gewiſſenhafte Sorgfalt, die religiös⸗ſittliche Bildung der Jugend durchaus zur Grundlage und Seele des wiſſenſchaftlichen Unterrichtes zu machen. Dieſe Eigenſchaften kommen der ganzen Körper⸗ ſchaft wie Einem Manne zu. Ich glaube mit voller Zuverſicht berichten zu dürfen, daß das Lei⸗ tungs⸗ und Lehrperſonal alle Beruhigung gewähre...

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Insbeſondere fand ich an dieſem Gymnaſium bei⸗ nahe durchgehends eine größere Geläufigkeit ſich lateiniſch auszudrücken als anderswo. In der grie⸗ chiſchen Sprache behauptet das Innsbrucker Gym⸗ naſium ganz entſchieden den Vorzug vor jedem an⸗ dern Gymnaſium der Provinz. Die Geographie wurde in den meiſten Klaſſen fleißiger und gründ⸗ licher betrieben als in allen übrigen Gymnaſien. Ähnliche Urteile haben die Viſitatoren auch über die andern von Jeſuiten geleiteten Gymnaſien ab⸗ gegeben.

Es erübrigt uns, noch von den Vorwürfen zu ſprechen, welche man gegen das Erziehungsweſen der Jeſuiten erhebt. Es war in den vierziger Jahren, da glaubte Thiers ſich empfehlen zu ſollen, durch die Beſchuldigung, die Jeſuiten entfremdeten die Landeskinder dem Patriotismus und lehrten eine den Staatsgeſetzen widerſprechende, verwerfliche Moral. Kaum hatte er dieſes Urteil in der De⸗ putiertenkammer ausgeſprochen, als ſich dagegen 600 ehemalige Jeſuitenſchüler erhoben, welche in Frank⸗ reich ehrenvolle und einflußreiche Stellungen ein⸗

nahmen, ſowohl im Staatsdienſt, als im Handel,

als in der Wiſſenſchaft. In ihrer öffentlichen Proteſtation erklärten ſie:Wir lernten ſo: daß Gott und der von ihm geſtifteten Religion zukomme, die Vernunft zu erleuchten, ihr jeweils zu gebieten und das Gewiſſen zu regeln; daß alle Menſchen vor Gott gleich ſind, und folglich es vor dem Ge⸗ ſetz ſein ſollen, welches deſſen Abbild iſt, daß die öffentlichen Gewalten für die Völker und nicht die Völker für die öffentlichen Gewalten ſind; daß jeder Adel, jede Würde, jedes Amt, die einfache Eigen⸗ ſchaft des Bürgers verpflichte, ſich durch alle Opfer, ſelbſt durch das des Vermögens und des Blutes dem Wohle des Vaterlandes hinzugeben; daß die Ver⸗ rate und Tyranneien Verbrechen gegen Gott und Frevel gegen die Geſellſchaft ſind... Wir erwarten ohne Furcht das Urteil des Landes. Thiers wußte nichts Beſſeres zu thun als zu ſchweigen.

Ein andrer, nicht ſelten gehörter Vorwurf lautet:Die Erziehungsmaxime der Jeſuiten, wo⸗ nach ſie es dem Zögling unmöglich machen wollen,