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Wenn in der Chronologie ſich einige Fehler finden, ſo war Josephus auf ungenaue Quellen angewieſen, z. B. Berosus. und Kastor. Auch darf nicht vergeſſen werden, daß durch die Ueberſetzungen und Abſchriften manches auch ohne böſen Willen verändert werden konnte, wie thatſächlich in den Schriften des Josephus viele Interpolationen nachgewieſen ſind. 1)
Josephus verſichert, ²) daß er ſich in der Archäologie treu an den hl. Büchern halte. Ebenſo ſagt er, daß er im„jüdiſchen Kriege“ die Wahrheit unverrückt dargeſtellt. Dieſe Behauptung iſt ohne Einſchränkung nicht richtig. Denn es finden ſich in der Archäologie willkürliche Zuſätze ebenſowohl wie willkürliche Auslaſſungen. Er erzählt z. B. nicht den Abfall der Juden an dem Berge Sion; ebenſo erwähnt er nicht die Sünde, weiche den Moses vom Betreten des hl. Landes zurückhielt. Er lehnt es ab, bei Beſprechung der Weisſagung des Propheten Daniel das fünfte Weltreich zu nennen und verweiſt auf den Propheten Daniel ſelbſt mit den Worten:„Es hat mir nicht gefallen zu berichten, wie Daniel das Steinchen erklärt, weil es meine Abſicht iſt, das Vergangene und nicht das Zukünftige zu berichten; wer es aber wiſſen will, der ſehe in den heiligen Büchern ſelbſt.“ ³) Zu den willkürlichen Zuſätzen iſt zu rechnen die romanhafte Erzählung von dem Zuge des Moses nach Aethiopien und ſeine Vermählung mit der Königs⸗ tochter Tarbis. 4) Da wo er die moſaiſchen Beſtimmungen über die eventuelle Auflöſung der Ehe beſpricht, erlaubt er ſich willkürliche Veränderungen, wohl um ſeinen eignen laxen Stand⸗ punkt in dieſer Sache damit zu decken. ⁵)
Ueber den Stil des Josephus ſpricht ſich Photius) in ſeiner„Bibliothek“ cod. 47 aus. Er legt ihm eine reine Sprache bei, verbunden mit Anmuth; er lobt ſeine Reden wegen ihrer Ueberzeugungskraft, wegen ihrer richtigen Schlußfolge und Sentenzenfülle, er erkennt in ſeinem Vortrage das Pathos an und die Macht, Gemüthsbewegungen zu erregen. Hieran wollen wir anſchließen das Ergebniß der Studien J. A. Ernesti's.„Die Schreibart des Josephus iſt rein von Hebraismen, und nach ſeiner Abſicht ſollte ſie es auch ſein. Wo daher in ſeinen Reden etwas hebräiſchartiges vorkommt, muß es für verdächtig gelten(Interpolationen) und nach Handſchriften auf den rein griechiſchen Sprachcharakter nach Möglichkeit zurückgeführt werden. Unter den attiſchen Hiſtorikern hat Josephus in Sprachform und Ausdrücken den Thukydides nachgeahmt, aber auch Wörter und Redensarten des Plato hat er ſich angeeignet, doch auch mit Polybius hat er in Worten manches gemein.“ Die Natur wie das Leben faßt Josephus gleich treu auf und ſtellt ſie auch kräftig dar. Seine Schriften ſind reich an wirklich
1) Vergl. hierüber und über das Folgende Creutzer I. c. pag. 52 ff.
2) Provem. zu Antiq. und contra Ap. I, 9.
3) Ant. X, 10. cf. Dan. cap. 2.
4) Ant. II, 10.
5) Ant. IV. 6.
6) Es iſt dieſes der aus der Geſchichte des griechiſchen Schisma's bekannte Photius(ſt. 891). Seine „bibliotheca“ beſteht in kurzen, lichtvollen Notizen, Auszügen und Kritiken über 280 Schriftſteller der verſchiedenſten Zweige. Photius iſt ein Autor von erſtaunlicher Beleſenheit.


