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bedeutenden Umſchwung hervorgerufen hat, und zwar einen gegen das Judenthum ſich richtenden Umſchwung. ¹1) Josephus erhielt in Rom Einblick in das ehrloſe und zügelloſe Treiben des Hofes. Der Zutritt zum Hofe wird dem jiüdiſchen Prieſter vermittelt durch einen jüdiſchen Gaukler. Der jüdiſche Prieſter kommt in Gunſt bei einer Poppaea, die Josephus ſelöſt zwar gottesfürchtig nennt, über die aber Tacitus ganz anders urtheilt. Die Beziehungen zum römiſchen Hofe werden unterhalten und ſpäter befeſtigt. Josephus bleibt, nachdem Vespasian und Titus hingegangen, in Gunſt bei dem hohlen und eitlen Judenhaſſer Domitian. Selbſt die Kaiſerin Domitia iſt ihm gewogen, die ſonſt in allem gegen den Willen des Kaiſers verfuhr, die übrigens moraliſch eben ſo verkommen war, wie ihr kaiſerlicher Gemahl.
Hier ſei noch erwähnt, daß Josephus ganz gegen ſein ſonſt ausgeſprochenes Princip (Ant. XX, 8. 3), im 19. Buch der Archäologie ausführlich die Ermordung des Cajus Caligula und die Thronbeſteigung des Claudius erzählt. Es ſcheint hieraus hervorzugehen, daß Josephus die Verhältniſſe in Rom bei ſeiner erſten Anweſenheit genau ſtudirt und ſeine Geſinnung nach denſelben geändert hat. Er hat ſich in jene Weltanſchauung vertieft, welche die ganze Periode der Cäſaren kennzeichnet und welche allgemein in succum et sanguinem übergegangen war: Rom iſt vom Schickſal beſtimmt, über die Welt zu herrſchen und jedes gegentheilige Beſtreben iſt als rerum novarum studium zu betrachten. Eine ſolche Anſchauung ſpricht Josephus wieder⸗ holt aus, namentlich in ſeinen Parlamentärreden vor dem belagerten Jeruſalem. An dieſer Stelle dürfen wir vielleicht die Frage erörtern, wie Josephus dazu kam, dem Vespasian die Kaiſerwürde zu verheißen. Er mußte wohl zur Ueberzeugung gekommen ſein, daß mit dem ver⸗ rückten Nero die Dynaſtie der Julier untergehen würde. Zudem konnte es ihm nicht entgehen, daß der Schwerpunkt bei der Neubeſetzung des Thrones bei der Armee lag. Nehmen wir hinzu, daß Vespasian als Sieger über die Germanen und Briten und nun auch über die Juden jeden⸗ falls viel Ausſicht auf den Thron hatte, da die Entſcheidung nun im Orient lag, ſo darf man wohl ſagen: Es bedurfte wohl eines ungewöhnlich tiefen Verſtändniſſes der Verhältniſſe, nicht aber einer übernatürlichen Erleuchtung, um mit einiger Gewißheit den Vespasian als künftigen Kaiſer zu bezeichnen.
Josephus kam ſchon von ſeiner erſten Romreiſe zurück als Römling. Vergleichen wir damit den Eindruck, welchen der Aufenthalt in Rom auf den alexandriniſch⸗jüdiſchen Philoſophen Philo gemacht.„Dieſer ältere Zeitgenoſſe des Josephus machte auch eine Reiſe nach Rom in Angelegenheiten ſeiner bedrängten Nation. Auch er blickte tief in die Verhältniſſe des römiſchen Hofes und Volkes. Aber er ließ ſich nicht von dem römiſchen Weſen gefangennehmen. Er iſt von Rom in ſeiner Geſinnung geläutert und geſtärkt zurückgekehrt, während Josephus in der Welthauptſtadt an ſeinem inneren Weſen Schiffbruch gelitten hat.“ ²) Wenn er ſpäter als Statt⸗
1) Vergl. Baumgarten I. c. pag. 620 ff. 2) Vergl. Baumgarten, l. c pag. 622.


