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der Kampf nicht zu Ende. Die Oberſtadt wurde immer noch einige Wochen mit der größten Hartnäckigkeit vertheidigt, bis endlich Hunger und Erſchöpfung auch die Tapferſten unterliegen ließ. Die Römer erſtiegen die innerſte Mauer, beſetzten die Thürme und drangen mordend in die Oberſtadt ein. Auch dieſer Stadttheil wurde verbrannt. Die Mauern wurden zerſtört bis auf einen Theil der Veſtmauer. Die 3 Thürme Hippicos, Mariamne und Phaſael ließ Titus ſtehen als Zeugen ſeines ungeheuren Sieges.
Ueber 1 Million Menſchen waren durch die Belagerung umgekommen. Die Kämpfe, welche der Belagerung vorausgingen, hatten vielen Tauſenden das Leben gekoſtet. So war der jüdiſche Stamm zum größten Theil auf heimiſchem Boden vernichtet. Was Hunger und Schwert und Feuer verſchont, wurde in die Sklaverei geſchleppt. ¹)
Josephus hatte, während ſeine Namensgenoſſen die Weiſſagungen der Propheten immer noch als Rettungsanker feſthielten, die meſſianiſchen Verheißungen auf Vespasian bezogen und ihn als Retter bezeichnet. Che Titus die Trümmer der Stadt verließ, dankte er Josephus gnädig und beſchenkte ihn zum Lohn für ſeine Verdienſte mit einem Landgut in der Ebne Saron. ²)
Der junge Sieger zog über Cäſarea Philippi und Antiochien von Station zu Station Feſtſpiele gebend, denen jedesmal ein Theil der jüdiſchen Gefangenen zum Opfer fiel. Als er über Paläſtina nach Alexandrien zurückreiſte, mußte ſich ihm Josephus anſchließen und ihn nach Rom begleiten. Dort wohnte er im Palaſte der Flavier und als ihr Hofhiſtoriker hat er der Nachwelt den Triumphzug der 3 Cäſaren beſchrieben.
Vespasian erwartete ſeinen Sohn mit Ungeduld, nicht um ihn natürlich zu begrüßen, ſondern um das Gerücht, daß Titus ihn vom Thron ſtoßen wolle, widerlegt zu ſehen. Vespasian- und ſeine Söhne Titus und Domitian hielten einen glänzenden Triumphzug. Vor ihnen her wurden die Tempelgefäße, der goldne Leuchter, der goldne Tiſch und die Tempelgeſetzesnovelle getragen, die Gefangenen in Feſſeln geführt und Abbildungen der Schlachten und Zerſtörungen der ſchauluſtigen Menge gezeigt. Simon bar Giora und Johannes von Giſchala, beide während des ganzen Krieges Schrecken der Römer, wurden im Triumph mitgeführt, der erſtere vom tarpeiſchen Felſen herabgeſtürzt, der letztere zu ewigem Kerker verdammt. Denkmünzen wurden geſchlagen, welche das unglückliche Judäa als Bild trugen, ein zerknirſchtes Weib in verzweifelter Stellung unter einem Palmbaume vor einem aufrecht ſtehenden Krieger, mit der Inſchrift: Judaea capta, Judaea devicta. Der Triumphbogen des Titus(Arco de Tito) zeigt heute noch die erbeuteten Tempelgefäße.
Josephus blieb von da an in Rom. Vespasian ſetzte ihm ein Jahresgehalt aus und erhob ihn zum römiſchen Bürger(Vita,§. 76— 77). Die glückliche Muße benutzte er zur Ab⸗
1) Vergl. Grätz. I. c. pag. 446.
2) Dieſe Ebne beginnt ſüdlich vom Berge Karmel und zieht ſich etwa 6 Meilen breit bis nach Joppe am Mittelmeer. Ihre herrliche Fruchtbarkeit, welche auch im hohen Liede(2,1) und im Iſaias(65,70) gerühmt werden, hat ſie trotz aller Kriegsſtürme bewahrt.


