Aufsatz 
Über die Quellen für die jüdische Geschichte in den letzten Zeiten vor Christus
Entstehung
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eine miſerable Rolle ſpielen mußte. Mit den römiſchen Führern ſehen wir ihn bald fraterniſiren, bald treten ſie ihn mit Füßen. Die Juden lauern ſorgfältig auf eine Gelegenheit, ihn in ihre Hände zu bekommen, um ihn dem verdienten Tod des Verräthers zu überantworten. Die Römer drohen ihm mit Kreuzigung, wenn einer ſeiner Rathſchläge fehlſchlägt. So macht er die Schrecken der Belagerung von beiden Seiten mit, von beiden Seiten in Angſt gehalten. ¹)

Vor Jeruſalem nahmen die Dinge einen raſchen Verlauf. Am 23. April war der erſte Angriff unternommen worden, 15 Tage darauf fiel die erſte Mauer, 5 Tage ſpäter die zweite. Titus hielt nun eine große Heerſchau ab. Er hoffte dadurch die Belagerten einuſchüchtern. Allein der Glanz der Helme, das Blitzen der Schwerter hatte nicht den gehofften Erfolg. Nun wurde Josephus beauftragt, ſeine Landsleute zur Uebergabe zu beſtimmen. Nach langem Suchen fand er eine Stelle, von wo aus er den Juden vernehmbar und doch außer Schußweite war. In ſeiner Rede ſuchte er den Jeruſalemiten klar zu machen, es ſei jedenfalls Ungehorſam gegen Gott, wenn ſich die Stadt nicht den Römern ergebe, denn Gott habe die Römer zu Herren des Landes beſtimmt. So mußte er Reden halten, ſo oft die Römer einen Vortheil errungen hatten. Er ſtand jedesmal von den Römern feſtgehalten und von den Juden mit Steinen und Pfeilen verfolgt. Als er eines Tages mit einem Stein an den Kopf getroffen war, hörte das traurige Manöver eine Zeit lang auf. Josephus will uns wirklich glauben machen, hauptſächlich in Folge ſeiner Reden ſeien viele Ueberläufer in's römiſche Lager gekommen, nicht etwa von Hunger getrieben. Als dieſe Mittel nicht halfen, griff Titus zu einem andern, barbariſchen. Er ließ von jetzt an alle Gefangenen kreuzigen, an manchen Tagen über 500. Endlich, am 5. Juli, fiel die Burg Antonia. Nun war auch der Tempel nicht mehr länger zu halten. Josephus machte, um den Tempel zu retten, den Vorſchlag zu einer Schlacht auf dem freien Felde. Die Juden wieſen das Anſinnen höhniſch zurück. Als die Römer in die Vorhallen des Tempels eindrangen, ſteckten die Juden denſelben in Brand. In den Vorhöfen des Tempels hatten mehrere Tauſend auf das Wort eines Propheten hin ſtandgehalten, in der Erwarturg, daß jetzt wenigſtens der Meſſias kommen werde. Die eindringenden Römer aber ſetzten die Hallen in Flammen und ſo ging die ganze Schaar elendlich unter. Titus hatte vor, das Innere des Tempels zu erhalten, wohl aus Kückſicht auf die ihm befreundete Berenice, Agrippa's Schweſter. Aber ein Soldat ließ ſich von einem Kameraden in die Höhe heben und warf einen Feuerbrand durch das ſogenannte goldne Fenſter in den Tempel. Mit Windesſchnelle wurde der Brand weiter getragen. Die Flammen ſchlugen hoch empor. ²) Da hörte der Widerſtand auf. Der Befehl des Feldherrn, den Brand zu löſchen, wurde überhört; die römiſchen Soldaten ſtürmten wild in das Heiligthum, plünderten und würgten alle, die bei der Beſtürzung nicht geflohen waren. Titus ſelbſt drang vor bis in das Allerheiligſte und labte ſich an dem Anblick desſelben, bis ihn Dampf und Rauch zurücktrieb. Die angſtvollen Klagerufe der Beſiegten trugen die Trauerbotſchaft bis an die Berge jenſeits des Jordans und das furchtbare Feuermeer ſagte unzweideutig den Umwohnenden, daß nun keine Rettung mehr möglich war. Aber noch war

1) Vergl. Hausrath. I. c. pag. 310. 2) Vergl. Bell. Jud. 4, 16.