Aufsatz 
Über die Quellen für die jüdische Geschichte in den letzten Zeiten vor Christus
Entstehung
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ſich auf, er hoffte von ihm noch gute Dienſte zu erhalten. König Agrippa lud den römiſchen Feldherrn zu ſich ein nach Cäſarea Philippi und ſtrengte alles an ſich ihm gefällig zu zeigen. So wurden denn diejjnigen, welche zur Vertheidigung des Landes berufen waren, die gefügigſten Werkzeuge ſür den Feind. Galiläa wurde unterdeſſen verwüſtet und mit Ruinen überſäet. In Jeruſalem hatte der Fall von Jotapata große Trauer hervorgerufen. Schon hatte man für Josephus eine große Todtenfeier anberaumt, als man vernahm, daß er ruhig und geſund in Cäſarea weile, und zwar nicht als Kriegsgefangener, ſondern als römiſcher Spion. Nun lud ſich der ganze Haß der Zeloten auf die phariſäiſche Parthei, deren Führer Josephus geweſen. Ueberall griff das Volk zu den Waffen und faſt in allen Städten kamen Greuelſcenen unter den Partheien vor. Josephus iſt davon die Hauptſchuld zuzuſchreiben. In ſeiner Geſchichte des jüdiſchen Krieges kann er nicht Worte genug finden ſeinen Abſcheu auszuſprechen über die Grau⸗ ſamkeit der Zeloten. Dann klagt er über die zahlloſen Verletzungen des hl. Geſetzes, über Nichtbeachtung der vorgeſchriebenen Reinigungen. Aber das er all die Miſeren ſeines Volkes ſelbſt verſchuldet, das will er nicht geſtehen. Wie er, ſo waren auch ſeine phariſäiſchen Freunde. Sie deuteten mit den Fingern auf diejenigen, welche unreine Speiſen aßen und zur feſtgeſetzten Stunde ſich nicht wuſchen. Aber die Ströme des frevelhaft vergoſſenen Blutes zwingen ihnen keine Thräne des Mitleides ab.

Vespasian ſah es ſelbſtverſtändlich mit Freuden, wie die Juden ſich zerfleiſchten. Er be⸗ nutzte den Winter von 67 auf 68, um die eroberten Städte zu befeſtigen und vollendete im Frühjahr 68 die Umgehung Jeruſalems, indem er bei Jericho ein feſtes Lager aufſchlug. Eben war Vespasian nach Cäſarea zurückgekehrt, als er von den Ereigniſſen Kunde erhielt, welche die römiſche Welt in Verwirrung und Aufregung gebracht hatten. Nero war am 9. Juni 68 durch Selbſtmord gefallen, auf ihn folgten in 1 Jahre Galba, Otho und Vitellius. Die Soldaten im Oſten hielten dafür, daß ſie auf die Beſetzung des Kaiſerthrones ebenſoviel Recht hätten wie die Legionen im Weſten. Der RufNespasian ſoll Kaiſer ſein wurde lauter und lauter; zögernd nahm Vespasian zuletzt das Diadem an. In Alexandrien erklärte ſich der Proconſul Tiberius Alexander für ihn; Syrien war ſchon in ſeiner Gewalt und ſo hatte der Orient entſchieden. Jetzt gedachte Vespasian des jüdiſchen Mannes, der ihm zuerſt den Thron verheißen. Er ließ ihn zu ſich rufen, nahm ihm die Ketten ab, die er bis dahin des Scheines halber immer noch getragen, und reſtituirte ſeine bürgerliche Ehre. Josephus begleitete den neuen Cäſar nach Antiochien und Alexandrien und genoß in reichem Maße die Freuden der Thronbeſteigungsfeierlichkeiten.

Als Vespasian nach Rom abging, übernahm ſein Sohn Titus die Leitung des jidiſchen Krieges. Josephus befand ſich von da ab in der Geſellſchaft des Titus, um ihm den Weg nach Jeruſalem zu zeigen. Von Cäſarea aus wurde gegen die Hauptſtadt vorgegangen. Die einſt ſo herrliche Umgebung der Stadt war bald in eine traurige Einöde verwandelt. Josephus ſelbſt ruft aus:Keiner, der früher Judäa geſehen, hätte es wieder erkannt; er wäre vorüber⸗ gegangen, um Jeruſalem zu ſuchen. Der Anblick ſolcher Trübſale mochten dem Verräther wohl ernſten Vorwurf in die Seele geben. Dazu kam, daß er in dem römiſchen Lager ſelbſt auch