Aufsatz 
Über die Quellen für die jüdische Geschichte in den letzten Zeiten vor Christus
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Zeit, einen gewaltigen Eindruck auf die Juden, bei denen außer der patriotiſchen Begeiſterung der meiſten nichts vorhanden war, was Ausſicht auf Erfolg hätte geben können. Plötzlich ver⸗ nahm Josephus die Nachricht, daß der wichtige Platz Sephoris(weſtlich vom Galiläiſchen Meere) ſich den Römern ergeben habe und daß die Römer unter den Mauern der von Josephus gut befeſtigten Stadt ein feſtes Lager aufſchlugen und ſo mitten in Galiläa ſtanden. Josephus rührte ſich nicht. Er hoffte, die Römer würden ihm Unterhandlungen anbieten. Unterdeſſen machte die Reiterei des Placidus einen Angriff auf den unthätigen Feldherrn Galiläa's, der ihn nöthigte, einen Sturm auf Sophoris zu verſuchen. Josephus erlitt eine vollſtändige Niederlage. Jetzt brach Vespasian von Ptolemais aus auf mit dem Hauptheer und bezog hart an der Grenze von Galiläa ein feſtes Lager. Die Nachricht hiervon warf paniſchen Schrecken unter die jüdiſchen Streiter. Dieſelben verließen ihren Feldherrn ſcharenweiſe. Josephus ſelbſt floh nach Tiberias. Er klagte dem Rathe von Jeruſalem ſeine Noth und bat um Hilfe. Allein Jeruſalem ſchickte kein Heer und Vespasian bot keine Vermittelung an und ſo flüchtete ſich Josephus nach Jotapata(21. Mai 67). Wenige Tage nachher ſtand Vespasian mit ſeinem Heere vor dieſer nördlich von Tiberias(2) gelegenen Veſte. Die Juden vertheidigten ſich mit Löwenmuth. 40: Tage wurde Jotapata belagert und auch da fiel es nuc durch Verrath eines Ueberläufers, welcher den Römern in der Nachtzeit einen Weg in die Stadt zeigte. 40,000 Jotapatenſer kamen durch die Belagerung um, über 1000 Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei ver⸗ kauft, die Feſtung wurde geſchleift. Josephus war vor der Belagerung in die Stadt gekommen und hatte anfangs die Vertheidigung geleitet. Als er einſah, daß auf die Dauer der Wider⸗ ſtand vergeblich ſei, wollte er die Stadt verlaſſen. Aber die Bürger ließen dies nicht zu. Bei dem Eindringen der Römer kroch er in eine Ciſterne, die mit einer Höhle in Verbindnng ſtand. Dort traf er noch 40 Krieger, welche dieſelbe Zuflucht gefunden hatten. Den Römern wurde durch ein Weib der Aufenthalt des Statthalters verrathen. Vespasian ließ den Josephus durch 2 Tribunen auffordern, heraufzuſteigen und verſicherte ihm die Erha'tung ſeines Lebens. Auf wiederholtes Zureden ſagte Josephus endlich zu. Allein in der Höhle erhob ſich ein gewaltiger Sturm. Es wurde dem Josephus ſehr bald klar, daß man ihn niederſtoßen würde, wenn er ſich und die Seinigen entehrte. So mußte er denn nolens volens in der Höhle ausharren. Durch die Mehrheit wurde der Beſchluß gefaßt, daß alle Flüchtlinge ſich dem Tode weihen ſollten. Einer ſollte den andern tödten. Die Reihenfolge wurde durchs Loos beſtimmt. Zuletzt blieb Josephus noch mit einem Genoſſen übrig. Durch Ueberredung und Gewalt entwaffnet er den⸗ ſelben und ergab ſich den Römern trotz des gegebenen eidlichen Verſprechens. Vespasian behan⸗ delte den Treuloſen ſo wohlwollend, als ob er niemals gegen ihn Krieg geführt hätte. Josephus ſelbſt erzählt, 1) er habe die Begnadigung dem Umſtande zu verdanken, daß er dem Vespasian geweiſſagt habe, er würde dem Nero auf den Thron folgen was allerdings eingetroffen iſt⸗ Vespasian nahm den gefangenen Statthalter mit ſich nach Ptolemais, dann nach Cäſarea. Das jüdiſche Volt verlangte wiederholt den Tod des Verräthers. Allein Vespasian behielt ihn für

1) Bell. Jud. III, 8. Auch Sueton in Vespas. c. 5 u. Cassius Dio 66,1 erwähnen dieſe Weiſſagung.