Ihre beiden Söhne waren der ſanftere Hyrkan III. und der kriegeriſche Aristobul. Zwiſchen beiden erhob ſich nach dem Tode der Mutter ein ſchwerer Kampf um die Herrſcherwürde. Den Bruderzwiſt ſchürte zu ſeinen ſelbſtſüchtigen Zwecken der Idumäer Antipater, Vater des bekannten Herodes d. Gr.— Die beiden Brüder wanden ſich an Scaurus, den Proquäſtor des Pompejus zu Damaskus. Dieſer entſchied ſich für Aristobulus. Vor Pompejus ſelbſt aber führte Anti- pater die Sache des Hyrkan ſo gut, daß Aristobul einſah, nur durch die Gewalt der Waffen könne er ſeinen Zweck erreichen. Pompejus nahm ihm mit Gewalt die Feſtung Alexandrien und als Aristobul den Tempel zu Jeruſalem als Veſte benutzte, wurde auch dieſer erſtürmt. Damals betrat Pompejus das Innere des Heiligthums. Die Mauern von Jeruſalem wurden großentheils geſchleift, Hyrkan zum Hohenprieſter und Monarchen ernannt, dem Lande eine Steuer auferlegt und der Statthalter von Syrien mit der Ueberwachung desſelben beauftragt.
Auch nach Beendigung dieſes Bürgerkrieges dauerte der Zwieſpalt in der hasmonäiſchen Famitie noch fort. Dieſen Zwieſpalt benutzten die Idumäer Antipater und Herodes um eine idumäiſch⸗römiſche Herrſchaft in Paläſtina zu gründen.
Damit iſt denn der Wendepunkt gegeben,„mit welchem ſich die zweite Kataſtrophe des jüdiſchen Volkes einleitet, das Auftreten der römiſchen Weltmacht in Judäa und der durch die Römer eingeſetzten und fortwährend geſtützten idumäiſchen Dynaſtie. Es zeigt dieſe Periode den gewaltigen Kampf zwiſchen jüdiſchem Geſetzthum und römiſchem Heidenthum, zugleich innerhalb des Judenthums wunderbare Dimenſionen der Expanſivkraft jüdiſcher Volksnatur.“ ¹)
Für die Zeit, welche auf die machabäiſchen Kämpfe folgt, ſind wir auf profane Ge⸗ ſchichtsquellen angewieſen, da die Bücher der Makkabäer nur bis zum Tode Simon's gehen. Die Hauptquelle iſt der jüdiſche Geſchichtsſchreiber Flavius Josephus. Ihn in erſter Linie zu beſprechen, wird unſere Aufgabe ſein. Bei der Behandlung dieſes höchſt intereſſanten Namens wird eine Erwähnung der andern hierher gehörigen Quellen ſich wie von ſelbſt ergeben. 2)
I.
Zunächſt geben wir einen Ueberblick über das Leben unſers Schriftſtellers. Joseph ben Matthia, oder wie er ſich wegen ſeiner Freundſchaft mit dem Hauſe der Flavier nennt: Flavius Josephus, wurde geboren zu Jeruſalem im erſten Jahre der Regierung des Kaiſers Claudius(37 od. 38 n. Chr.) Die Ahnen ſeines Vaters Matthias ſpielten in den Regiſtern des Hohenprieſterthums eine große Rolle. Seine Mutter ſtammte aus dem machabäiſchen Königshauſe. Ueber ſein Leben wiſſen wir nicht mehr als das was er ſelbſt in ſeiner Vita und in der„Geſchichte des jüdiſchen Krieges“ aufgezeichnet hat. Er erhielt eine ſorgfältige Er⸗
1) Siehe Baumgarten in„Jahrbücher für deutſche Theologie“ Gotha 1864. pag. 613.
2) Für das Folgende wurde namentlich benutzt: Schürer, neuteſtamentl. Zeitgeſch. Leipzig 1874. p. 19 ff. Hausrath über Flav. Jos. in Sybels hiſtor. Zeitſchrift 1864. Creutzer:„Josephus und ſeine griech. u. helleniſt. Führer“ in Zeitſchriſt: Theol. Studien u. Kritiken. Hamburg 1853. Baumgarten:„Der ſchriftſteller. Charakter des Flav. Jos. in:„Jahrbücher für deutſche Theologie“. Gotha 1864.


