Aufsatz 
Antrittsrede
Entstehung
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ſo iſt ihm und dies zeugt nicht minder von der Ewigkeit ſeines Weſens das Bedürfnis eingeboren, das Leben zunächſt ſeines Volkes und dann der ganzen Menſchheit von der früheſten bis zur jetzigen Stufe ihres Werdens in einem Totalblick zu überſchauen. Indem er ſo die Schranke der Zeit durchbricht, wird ihm das Einſt zum Jetzt, die Vergangenheit gibt ihm das Verſtändnis der Gegenwart und der richtige Begriff dieſer den Schlüßel der Zu⸗ kunft. Aber noch fruchtbarer iſt jener Blick. Was wir ſolcher⸗ geſtalt mit Geiſtesaugen betrachten, das bleibt eben damit nicht außer uns, wir ſchließen es vielmehr in unſer Ich hinein, und indem es in unſerm Innern feſten Beſtand gewinnt, erweitert ſich unſer Einzelbewußtſein zum Nationalbewußtſein unſeres Volkes, ja zum Geſammtbewußtſein der Menſchheit. Es ſtrahlt in uns die Erkenntnis auf, daß das Menſchengeſchlecht von Grund aus in Einheit ſteht, daß es einen großen Geſammtkörper bildet, dem die verſchiedenen Völkerſchaften als mehr oder weniger bevorzugte Glie⸗ der ebenſo angehören, wie die einzelnen Familien und Individuen ihrer Nation; wir erſehen deutlich an den Culturvölkern, daß jedes derſelben ſeinen beſondern und welchen Beruf es hat für das Ganze der Menſchheit, und ziehen daraus den Schluß, daß auch den andern Völkern, welche annoch im Schatten der Unwißenheit liegen, ihr Antheil an der Culturarbeit der Menſchheit vorbehalten iſt; aus allem Dem aber erwächſt uns die Ueberzeugung, daß die geſammte Weltgeſchichte wie die Weltordnung überhaupt nicht das Spiel eines blinden Ungefährs, ſondern das Werk einer erhabenen Schöpferweisheit iſt, welche allem, was iſt und wird auf Erden, ein für allemal Geſetz, Maß und Ziel vorgezeichnet und für jeden Fall die Mittel bereit hat, um wider das Ausſchreiten menſchlicher Freiheit ihrem Willen früher oder ſpäter, Geltung zu verſchaffen. So wird die Geſchichte zur Vorhalle der Religion.

Aber auch zur Mutter und Pflegerin der Vaterlandsliebe wird ſie. Die Erweckung dieſer Vaterlandsliebe habe ich vorhin als eine der drei Hauptaufgaben des Gymnaſialunterrichts bezeichnet.