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von Partikeln und Hülfszeitwörtern, als ſämmtliche Sprachen der Jetztzeit, und überall kommen dieſelben zur Geltung, wo die Rück⸗ ſicht auf die Deutlichkeit es erheiſcht. Was die alten Sprachen auszeichnet, beſteht im Gegentheil darin, daß das ſynthetiſche Princip in ihnen mit dem analytiſchen den ſchönſten Einklang bildet, daß weder der auflöſende, zerſetzende Verſtand die geſtal⸗ tenſchaffende Phantaſie überwuchert, noch dieſe jenem das ihm gebührende Recht ſtreitig macht, während den modernen Sprachen dem allgemeinen Geſetze der Entwickelung gemäß die rechte Mitte zwiſchen den Extremen des Verſtandes und der Phantaſie verlo⸗ ren gegangen iſt und das Verſtandesprincip in merklicher Einſei⸗ tigkeit vorſchlägt. Selbſt in Fällen, wo ſie noch Reſte urſprüng⸗ lichen Lebens bewahren, wie z. B. in dem Gebrauch der Partici⸗ pialconſtructionen, erſcheinen dieſe nicht ſowohl in der Geſtalt natürlicher Gliederungen als formloſer Zuthaten. Welchen Einfluß das Schwinden der Flexion und das Zurücktreten der Formbildung auf das ſyntaktiſche Gefüge der neueren Sprachen ausgeübt hat, das ergibt die Vergleichung deſſelben mit der Satz⸗ und Perioden⸗ bildung der elaſſiſchen Sprachen auf den erſten Blick. In jenen herrſcht die parataktiſche, in dieſen die ſyntaktiſche Ausdrucksweiſe vor; kurze Sätze fordert in den neueren Sprachen die Regel der Schönheit, der Glanz der alten Sprachen entfaltet ſich recht ei⸗ gentlich in der Mäͤchtigkeit ihrer Periodologie; macht das moderne Periodengebilde den Eindruck eines künſtlichen Mechanismus mit äußerlicher Zuſammenſetzung(Verhältnis der Adhärenz), ſo ſtellt ſich eine antike Periode als ein lebendiger Organismus von na⸗ turwüchſiger Gliederung dar Verhältnis der Inhärenz). Dies liegt ganz und gar in der Natur der Sache. Es handelt ſich ja bei aller Periodologie um das Verhältnis von Haupt⸗ und Neben⸗ ſatz. Und hier ſind nun die neueren Völker mehr oder weniger ausſchließlich auf die Bindung der Sätze mittels Conjunctionen angewieſen, während die Griechen und Römer vornehmlich durch ihren Reichthum an Participien und Infinitiven, die Römer noch


