Iſt's edel, ſo zu reden wie du ſprichſt? Iſt's edel, nur allein an ſich zu denken, Als kränkteſt du der Freunde Herzen nicht? Iſt's dir verborgen wie mein Bruder denkt? Wie beide Schweſtern dich zu ſchätzen wiſſen? Haſt du es nicht empfunden und erkannt? Iſt alles denn in wenig Augenblicken Verändert? Taſſo! Wenn du ſcheiden willſt, So laß uns Schmerz und Sorge nicht zurück. „Dieſe Worte athmen eine unausſprechliche Zartheit und Innig⸗ keit des Gefühls.“ Noch n„ſchlaͤgt ſie keine Saite an, die ſich auf ihr beiderſeitiges Verhaͤltnis bezöge, ſich ſelbſt erwähnt ſie nur in Verbindung mit ihrer Schweſter Lucretia;“ noch bemüht ſie. ſich mit keinem Worte ihn von ſeinem Vorſatz abzubringen und in Ferrara zurückzuhalten.„Nur an das allgemein Menſch⸗ liche in ſeiner Seele wendet ſie ſich und verſucht ſo ihn auf die richtige Bahn der Beſonnenheit und Mäßigung zurückzufüh⸗ ren.*) Ein unbefangenes Gemüth würde freilich aus den Mah⸗ nungen der Prinzeſſin die tiefe Herzensbetheiligung derſelben und beſonders aus dem Schluße die zarteſten Laute inniger Weh⸗ muth herausgehört haben; aber Taſſo iſt zu ſehr in die Nacht des Wahnes verſunken, als daß er dazu im Stande wäre. Er wendet ſich ab in dumpfem, ſtummem Schmerz. Erſt die folgende Außerung der Prinzeſſin, worin ſie ihm auf die milddeſte Art die Thorheit ſeines Entſchlußes vorhält Ferrara ohne Noth zu verlaßen, wirft einen Strahl der Erleuchtung in ſeine umdü⸗ ſterte Seele: Die Pilgermuſchel und den ſchwarzen Kittel, Den langen Stab erwählſt du dir, und gehſt Freiwillig arm dahin, und nimmſt uns weg, Was du mit uns allein genießen konnteſt. Wie der Blitz, wenn er durch die Finſternis der Nacht dahin⸗ fährt, nur einen Theil des Horizontes erhellt und das Ubrige in
*) Lewitz Seite 151. 7*


