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der Zeit nach Freiheit des Glaubens hingegeben. Die Kinder waren deshalb von der Mutter getrennt worden und hatten nach deren Tode„nicht den Troſt behalten, daß ſie mit ihrem Gott verſöhnt geſtorben ſei“.*) Aus allen dieſen Prüfungen, welche die Prinzeſſin mit ſtiller Unterwerfung trug, erklärt ſich ſowohl der milde, ruhige Ernſt und der leiſe Anhauch von Wehmuth, der über ihr Weſen verbreitet iſt, als das ätheriſch Leidenſchaft⸗ loſe, die kühle Maͤßigung und Selbſtbeherrſchung, die ſie in jeder Lebenslage bewährt. Taſſo zog ſich vor dem Ungeſtüm des Unglücks hinter die Schutzwälle ſeines Innern zurück und begeg⸗ nete von da jedem feindlichen Angriffe des Schickſals mit Trotz und Stolz(S. 122); die Prinzeſſin dagegen unterwarf ſich mit Ergebung und Demuth ihrem Schickſal, ſie lernte in der Schule der Leiden die Kunſt freiwillig zu entſagen und auf keinen Beſitz mit Sicherheit zu bauen. Taſſos männliche Natur ſchloß ſich feſt in ihre Subjectivität zuſammen und kehrte ſich, um die äußeren Formen der Sitte und des Rechts unbekümmert, einſeitig dem Idealen zu; die Seele des Weibes hingegen, nachgiebig und biegſam von Natur, bildete ſich in der Übung ſtiller Geduld zu jener ſittlichen Virtuoſität, welche weſentlich auf der freien Ausgleichung unſerer ſubjectiven Anſprüche mit den objectiven Lebensmächten beruht. Als Heldin der Sitte iſt die Prinzeſſin für Taſſo ſo zu ſagen ein lebendiger ſittlicher Im⸗ perativ. Überhaupt ſteht ſte in Allem, was die Bildung durch das Leben einer edlen Natur geben kann, ihm als weibliches Mu⸗ ſter gegenüber, während ſie ihm in Ruͤckſicht auf ihre ideale Geiſtesrichtung als weibliches Ebenbild zur Seite tritt.
Die Umſtände unter welchen Taſſo und die Prinzeſſin ein⸗ ander zuerſt ſahen, waren geeignet ſchnell ein inniges Verhältnis zwiſchen beiden zu ſtiffen. Act III, Scene 2, S. 177 erzählt die Prinzeſſin ihrer Freundin:
Der Augenblick, da ich zuerſt ihn ſah,
War viel bedeutend. Kaum erholt ich mich
*) Act III, Scene 2, S. 176. 4


