und Herz, Verſtand, Gefühl und Phantaſie durchdringen und be⸗ gränzen ſich in ihrer Seele zum ſchönſten Ebenmaß, zu völlig harmoniſcher Temperatur. Und wie meiſterhaft iſt ſie dem Taſſo zugebildet. Wie ihn, ſo hatte auch ſie ein herbes Jugendgeſchick heimgeſucht. Hören wir ſie ſelbſt(Act III, Scene 2, S. 176): Was mir bleibt?
Geduld, Eleonore! Üben konnt'ich die
Von Jugend auf. Wenn Freunde, wenn Geſchwiſter,
Bei Feſt und Spiel geſellig ſich erfreuten,
Hielt Krankheit mich auf meinem Zimmer feſt,
Und in Geſellſchaft mancher Leiden mußt'
Ich früh entbehren lernen. Eines war,
Was in der Einſamkeit mich ſchön ergetzte,
Die Freude des Geſangs; ich unterhielt
Mich mit mir ſelbſt, ich wiegte Schmerz uud Sehnſucht
Und jeden Wunſch mit leiſen Tönen ein.
Da wurde Leiden oft Genuß, und ſelbſt
Das traurige Gefühl zur Harmonie.
Nicht lang' war mir dieß Glück gegönnt, auch dieſes
Nahm mir der Arzt hinweg: ſein ſtreng Gebot
Hieß mich verſtummen; leben ſollt' ich, leiden,
Den einz'en kleinen Troſt ſollt' ich entbehren. Durch dieſe Kränklichkeit, die auch in ſpäteren Jahren nicht gänz⸗ lich aufhörte, von den Freuden der Welt geſchieden war ſie, gleich Taſſo, auf ſich ſelbſt angewieſen. Für den Mangel äußerer Ver⸗ gnügungen ſuchte ſie Erſatz in geiſtigen Genüßen und bildete un⸗ ter der Leitung ihrer geiſtreichen Mutter ihre für alles Schöne, Wahre und Gute empfängliche Seele zu der ſinnvollſten Innig⸗ keit und zu dem gediegenſten äſthetiſchen Feingefühl ſowie zu einer Wißenſchaftlichkeit, welche die höchſte Stufe weiblicher Be⸗ fähigung erreicht, ohne jedoch die Gränzen der Weiblichkeit zu überſchreiten.*) Außer den körperlichen hatte auch ein Seelen⸗ leiden ihre Jugend getrübt. Ihre Mutter hatte ſich dem Zuge
*) Act 1, Scene 1, S. 105 u. flgd.


