angelegenheiten nur den Rath Antonios nicht den ſeinigen be⸗ gehrt.*) Wo die Weihe des göttlichen Bewußtſeins und die Urkraft des Genies zum Verſtändnis und zur Behandlung des Gegenſtandes ausreicht, da tritt er uns wie ein höheres Weſen entgegen, mit einer wunderbaren Gewandtheit das Große und Vortreffliche zu erkennen, mit einem brennenden Enthuſiasmus den Beſitz deſſelben zu erringen und gegen jeden feindlichen An⸗ griff zu behaupten, ſobald er dagegen dem Gebiete der Wirklich⸗ keit ſich nähert, erſcheint er als ein großgebornes Kind, welches wohl ein Vorgefühl der ganzen Welt und die Fähigkeit in ſich trägt ihre Erſcheinungen aufzufaßen, aber noch nicht die Reife der Erfahrung beſitzt um ſich in ihren Verhältniſſen zurecht zu finden.*) Gutmüthigkeit, Demuth, Unſchuld und die naivyſte
*) Siehe Act IV, Scene 2, S. 200.
*) Siehe Göthe in W. Meiſters Lehrjahren XIX, S. 95: Mit Bewunderung bemerke ich an Ihnen den tiefen und richtigen Blick, mit dem Sie Dichtung und beſonders dramatiſche Dichtung beurtheilen; die tiefſten Abgründe der Erfindung ſind Ihnen nicht verborgen, und die feinſten Züge der Ausführung ſind Ihnen bemerk— bar. Ohne die Gegenſtände je in der Natur erblickt zu haben, er— kennen Sie die Wahrheit im Bilde; es ſcheint eine Vorempfin— dung der ganzen Welt in Ihnen zu liegen, welche durch die harmoniſche Berührung der Dichtkunſt erregt und entwickelt wird. Denn wahrhaftig, von außen kommt nichts in Sie hinein; ich habe nicht leicht jemanden geſehen, der die Men— ſchen, mit denen er lebt, ſo wenig kennt, ſo von Grund aus ver⸗ kennt, wie Sie. Erlauben Sie mir, es zu ſagen: wenn man Sie Ihren Shakeſpear erklären hört, glaubt man, Sie kämen eben aus dem Rathe der Götter, und hätten zugehört, wie man ſich daſelbſt beredet, Menſchen zu bilden; wenn Sie dagegen mit Leuten umgehen, ſeh' ich in Ihnen gleich das erſte, großge⸗ borne Kind der Schöpfung, das mit ſonderlicher Verwunde⸗ rung und erbaulicher Gutmüthigkeit Löwen und Affen, Schafe und Elephanten anſtaunt, und ſie treuherzig als ſeines Gleichen anſpricht, weil ſie eben auch da ſind und ſich bewegen.— Wilhelm Meiſters Antwort darauf iſt in der Note †) Seite 17 mitgetheilt.


