— 12—
Aus reicher Willkür freundlich mir geſchenkt,
So hatte mich das eigenſinn'ge Glück
Mit grimmiger Gewalt von ſich geſtoßen;
Und zog die ſchöne Welt den Blick des Knaben
Mit ihrer ganzen Fülle herrlich an,
So trübte bald den jugendlichen Sinn
Der theuern Eltern unverdiente Noth.
Eröffnete die Lippe ſich zu ſingen,
So floß ein traurig Lied von ihr herab,
Und ich begleitete mit leiſen Tönen
Des Vaters Schmerzen und der Mutter Qual.
Du warſt allein, der aus dem engen Leben
Zu einer ſchönen Freiheit mich erhob;
Der jede Sorge mir vom Haupte nahm,
Mir Freiheit gab, daß meine Seele ſich
Zu muthigem Geſang entfalten konnte; 1
Und welchen Preis nun auch mein Werk erhält,
Euch dank ich ihn, denn euch gehört es zu. Taſſo hat uns durch Darlegung der Eindrücke ſeiner früheſten Jugend in den Stand geſetzt das eigenthümliche Gepräge ſeiner Individualität zu begreifen.*) Die harten Schickſale ſeiner Kind⸗ heit, die Noth und Qual, welche ſeine Eltern durch die Unbil⸗ den der Tyrannci und die Tuͤcke eigennütziger Verwandten leiden mußten, überhaupt die kalte Begegnung der Außenwelt hatte den Knaben frühzeitig dem Leben entfremdet, ihm Mistrauen und Argwohn gegen die Menſchen eingeflößt, die Keime des Trübſinns in ſeine Seele gepflanzt und ihn zu einer krankhaften Reizbarkeit und Empfindlichkeit verſtimmt. Je mehr ihn die Welt im Stiche ließ, deſto mehr war er in ſein eignes Innere hinein⸗ gewieſen, die Geſellſchaft fliehend ruhte er ſtill in ſich und ſah dem Spiel des Lebens nur aus der Ferne zu. Gerade der Dich⸗
*) Vergl. Wilhelm Meiſters Lehrjahre XVIII, 191: Niemand glaube die erſten Eindrücke ſeiner Jugend überwinden zu können u. ſ. w. S


