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schon in Homers Zeiten die Purpurfärberei in Ubung, und beruft sich auf Homer, 7, 141 ϑτε zis W'eAdρασρνσνισά νυν †MHνν 1νν/ Mnorls Kdeεε, αα̈ωνιον ενυμιενα επιαν. Es ist dies ein Irrtum. Der Farbstoft qorus ist kein Purpur, sondern stammt von einem kleinen erbsengrossen Insekt, das sich an der nach ihm benannten quercus coceifera ansaugt. Man hielt dies Tierchen für eine Beere*)(æeæᷣrs) und benannte danach den betreffenden Baum. Die aus diesem Insekt gewonnene Farbe ist das phönikische Rot— frz. noch heute ponceau— und„entspricht im wesentlichen unserm Scharlach; sie ist nicht ganz von Karmin und Karmosin zu schei- den“.**) Dieser Stoff wird bei Homer genannt als Farbe eines Helm- busches, O. 538, eines(wahrscheinlich ledernen) Leibgurtes Z, 219, H, 305, eines ledernen Bettgurtes%, 201 und eines Elfenbeinblätt- chens 4, 141.— Der eigentliche Farbstoff 1% kommt bei Homer nicht vor— auch nicht als Bezeichnung für Purpurschnecke oder Purpurgewand. IIoooiνο als Gewand findet sich überhaupt erst bei Aeschylus, Ag. an den oben angeführten Stellen und r0- P0 als pupura murex habe ich erst bei Aristoteles H. A. 5, 25 gefunden. Dieser Umstand ist freilich kein bindender Beweis da- für, dass Homer die Purpurfarbe nicht gekannt habe. Indessen bemer- kenswert bleibt diese Tatsache doch, und wenn wir im Auge behal- ten, dass das verbum Toοαο von dem 1% εε% abgeleitet ist, bei Homer nur wogen, wallen, glänzen bedeutet, so ist gewiss die Vermutung gerechifertigt, dass auch das adj. τG⁰%%εοs nichts anderes als wallend, glänzend oder leuchtend bezeichnet habe, und die Frage muss so gestellt werden: zwingt uns eine Stelle der homerischen Gedichte bei unserem Worte an die Purpurfarbe zu denken?
TIo0*⁶οεοεεκν) wird von den Wellen eines Flusses 0, 326 von den Meereswogen, 482 u. 3. und von dις II, 391 gesagt, also nur von bewegtem Wasser. Bei 0, 326 bezeichnet σπρπσνονεο ννυηαπσ poetisch sehr wirkungsvoll die hochwallenden, den Peliden verfolgenden Wo- gen. An Farbe braucht man hier ebenso wenig zu denken, wie an den anderen oben angeführten Stellen. Auch die oben(S. 10) an- geführten Citate aus griechischen, nachhomerischen Dichtern be- zeichnen bewegtes Meer als /0 ρα Gο⁶εσοε, abgesehen von den beiden letzteon. Daran ist ja kein Zweifol, dass man in späterer Zeit d. h. nach Homer das Meer rot schimmernd genannt hat. Die Untersuchungen *) Veckensredt a. a. O. S. 86.
**) Simonides von Keos 54,1:„oleνεμιμιον oοπτεον vy περυροαεννον π σαινννσ[) 9 ε1 ε1˙91110v erklärt sich ähnlich.
***) Vergl. für das folgende meine Programmabhandlung„Über die angeb- liche Farbenblindheit Homers“, Marburg 1903 S. 13 ff.


