Aufsatz 
Porphyreos-Purpureus : eine farbengeschichtliche Studie
Entstehung
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an eine Farbe unter keinen Umständen gedacht worden, und wir werden die betr. Worte übersetzen müssenvon den Flügeln glän- zender Schwäne getragen(Nauck-Weissenfels).*)

Die angeführten Stellen mögen genügen, um zu zeigen, dass purpureus in römischer Zeit neben der Farbenbezeichnung für rot auch noch die ältere dem Verbum 71090%000 entsprechende Be- deutung glänzend und überhaupt schön gehabt hat.*)

Die Catullstellen, in denen der Dichter das homerische ννααs 6Cog mit purpureus ramus übersetzt, und wo er Amor und Venus entsprechend der τπ ⁴G%G 1oοdii⁷ des Anacreon 2,3 mit purpureus benennt, will ich nur kurz noch erwähnt haben.

Ganz ähnlich wie das lat. purpureus wird τοꝓροοοςσ im nach- homerischen Griechisch gebraucht.

Als Farbenbezeichnung des Blutes steht es einmal**) bei Aeschylus, Pers. 317; bei Plato, Epigr. 22,4 vom Wein, wie er ausgegossen wird, ob 7οοεοσσο vom Meere gesagt(Aeschylus, Suppl. 529, Euripides, Hipp. 738 und 744, Troades 124, Simonides von Amorgos

Farben geheftet hat, welehe den beiden berührten Schneckenarten, sowie dem Wurm, welcher das phönizische Rot gibt, entstammen. Dass auch Federn die- sen Purpurschimmer haben können, bemerkt das Buch über die Farben, welches sagt, nachdem es von der Entstehung der Purpurfarbe im Meere gesprochen hatund man kann auch sehen, wie das bei den Federn geschieht... Purpur ist also ursprünglich der Schimmer der Farbe und da nach dem Buch über die Farben das Meer ähnlich der Purpurfarbe aussieht, wenn die Sonne auf die sich hebenden Wogen scheint und die niedergehenden Wogen des gelbroten Lichtes zum Teil entbebren, ebenso wie man einen entsprechenden Vorgang bei den Federn sehen kann, so hat Horaz auch die fliegenden Schwäne purpurfarbig zu nennen das Recht gehabt, denn das Licht der Sonne wird gebrochen und damit verdunkelt, wenn es nur die Höhen des Schwanengewandes bestrahlt, in die Nei- gungen des bewegten Flügels aber nicht zu dringen vermag, also dass ein Schim- raer den im Lichte der Sonne glänzenden Schwan zu umgeben scheint, welchen das im Farbensehen ausgebildete(!) Auge vielleicht sogar als einen gelb-rot- bräunlichen zusehen vermag. Diese mehr als gekünstelte Erklärung ist nach den oben angeführten Stellen, in denen purpureus= glünzend gebraucht ist, gänzlich überflüssig.

*) Marty, Die Frage nach der geschichtlichen Entwicklung des Farbensinns, Wien 1879, führt noch an Albinovanus, Eleg. in obitum Maec. II, 62 brachia purpurea, candidiora nive. Diese Stelle ist nicht beweiskräftig, da die Lesart nicht feststeht, es findet sich auch die v. I. subducere vestem Brachia purpure am candidiore nive. Die von J. G. F. Franzius in seiner Pliniusausgabe Lips. 1779 zu IX, 62 s. f. angeführte(auf Scaliger zurückgehende) Stelle(Albinovanus) ad Liviam: purpurea sub nive terra latet habe ich in diesem Gedicht nicht fin- den können.

**) Lorz, Beitrag zur Erklärung der griechischen Farbenbezeichnungen, haupt- sächlich aus dem Gebiet der Lyrik und des Dramas, Leitmeritz 1890(Programm).