Aufsatz 
Porphyreos-Purpureus : eine farbengeschichtliche Studie
Entstehung
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Museen vielleicht finden. Wir sind also auf die Zceugnisse der alten Schriftsteller angewiesen, und glücklicher Weise sind die Quellen recht ergiebig. Es existiert eine ziemlich reichhaltige Literatur über die Frage betreffend den antiken Pupur, und der Haupt- sache nach wissen wir Bescheid. Das Hauptwerk über diesen Ge- genstand istForschungen auf dem Gebiete des Altertums von Dr. W. Adolph Schmidt, I. Tl., Berlin 1842 S. 96 ff. Unter seinen Quellen(S. 97 99) ragt besonders hervor Amatius, de restitutione purpurarum, Caesenac 1784, dem er in der Hauptsache gefolgt ist. (Die wichtigste Stelle aus dem Altertum für die Technik der Pur- purfärberei findet sich Plin, H. N. IX 61 ff.) Nach den Untersuch- ungen von Amati und Schmicdt ist es eine gänzlich falsche Vorstellung, wenn man sich unter Purpur eine einzelne Farbe denkt. Dieser Ausdruck bezeichnet im Altertum eine ganze fauptgattung der Färberei, zu der man sich des Saftes des Seemuscheln*), also ani- malischer Stoffe, bediente. Im Gegensatze hierzu unterschied man die vegetabilische Färberei, zu der man Farbenkräuter verwandt hat. Animalische Farben, die man mit dem Namen Purpur zusammenfasste, gab es eine grosse Menge. Amati zühlt 9 einfache und 5 ge- mischte Purpurfarben auf. Die einfachen sind I. schwarz(niger), 2. blauschwarz(lividus, ferrugineus, venetus, niger caeruleo mixtus.) 3. violett(violaceus, color violae martiae, amethysti, amelli). 4. blutrot (rubidus, color papaverum, sanguinis concreti, rosarum nigrarum, quas Damascenas vocant, mororum, uvarum rubidarum, lapidis Por- phyritis). 5. dunkelblau(caeruleus saturatior, violaceo mixtus, color sereni caeli, heliotropii, hyacynthi). 6. hellblau(caeruleus dilutior, c. rubro mixtus, color florum malvae.) 7. gelb(flavus, color violae seratinae, calthae, flammae, auri.) 8. hochrot(rubicundus, buecinum color cocci.) 9. weiss(candidus, color nivis, lucis, cycnorum). Die fünf gemischten sind violettrot, dunkelblaurot, hellblaurot, gelbrot,

*) Delitzsch sagt in seinem AufsatzFarben der Bibel, in Herzogs Realen- cyklopädie(angeführt bei Veckenstedt a. a. O. S. 87 f.):Die echten Purpur- schnecken sind murex trunculus und der mit Stacheln und Röhren von grösserer Länge versehene murex brandaris. Die in der Nühe des alten Tyrus gefundenen Schalenreste stammen alle von murex trunculus und die bei dem unteritalischen Taranto und im Peloponnes gefundenen von murex brandaris. Der Farbstoff, welcher von diesen Schaltieren gewonnen wird, ist nicht ihr Blut, sondern der schleimige Saft einer ihnen mit allen Schnecken gemeinsamen Drüse. Dieser Saft ist nicht unmittelbar rot oder violett, sondern weisslich, aber unter Einwirkung des Sonnen- lichtes färbt er sich wie eine photographische Substanz durch gelblich und grün- lich hindurch bis zur Purpurfarbe, welche ein Gemenge aus rotem und violettem Licht ist, und diese Mischfarbe von teils mehr blauem, teils mehr rotem Ton ist unvertilglich.